FENSTER ZUR FILMWELT: VIELFALT, KUNST UND BEGEGNUNGEN IM KINOK.
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Normal: CHF 17.-
Mitglieder: CHF 12.-
Montagskino: CHF 12.-
Schüler:innen, Lernende, Studierende bis 26 Jahre: CHF 13.-
Kinder bis 12 Jahre: CHF 10.-
IV-Bezüger:innen: CHF 12.-
KulturLegi-Inhaber:innen: CHF 7.-
Mittwochnachmittagskino: CHF 12.- für AHV-Bezüger:innen
Freier Eintritt für Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene (Ausweis N/F/S)
Georg Wilhelm Pabst zählt zu den wichtigsten Regisseuren des deutschsprachigen Kinos der 1920er- und 1930er-Jahre. Während sich Daniel Kehlmann in seinem gefeierten Roman Lichtspiel mit Pabsts Rolle in der NS-Zeit auseinandergesetzt hat, rückt Angela Christliebs virtuoser Dokumentarfilm familiäre Aspekte in den Vordergrund. Mithilfe von Filmausschnitten, Archivmaterial sowie unveröffentlichten Briefen und den Tagebüchern von Trude Pabst entwirft «Pandoras Vermächtnis» das spannende Porträt einer ebenso komplizierten wie innigen Ehe. Sichtbar wird, wie eng das schwierige Familienleben und die Filmkunst einander beeinflussten. Im Zentrum stehen die Enkelkinder Marion Jaros, Schmetterlingszüchterin und Umweltaktivistin, Daniel Pabst, Kunstsammler und Komponist, sowie der Dinosaurierforscher Ben Pabst. Valerie Dirk schreibt im Standard: «‹Pandoras Vermächtnis› erzählt auf eine kinematografisch und psychologisch fesselnde Art und Weise von einer Familie, die vom Talent ihres Grossvaters fasziniert, von seinem egozentrischen Wesen jedoch abgestossen ist. (…) Die Enkelgeneration ergreift die Chance, Pandoras Box wieder zu schliessen: wird man doch Zeuge von drei Menschen, die liebevoll, neugierig und reflektiert von der faszinierenden Film- und Familiengeschichte ihrer Grosseltern erzählen.»
Ein Regisseur (Ferzan Özpetek) versammelt seine Lieblingsschauspielerinnen bei sich zu Hause zum Essen, um sein neues Filmprojekt mit ihnen zu besprechen. Daraus entsteht die Geschichte der beiden Schwestern Albertina und Gabriella, die im Rom der 1970er-Jahre in den Räumen einer Villa eine Kostümschneiderei betreiben, die vorwiegend für Filmproduktionen arbeitet. Für ihr nächstes Projekt, einen im 18. Jahrhundert angesiedelten Ausstattungsfilm, arbeiten sie mit der oscarprämierten Kostümbildnerin Bianca Vega zusammen. Die Zeit drängt und allen ist klar, dass die anspruchsvolle Aufgabe nur mit vereinten Kräften bewältigt werden kann. Dabei müssen die Näherinnen nicht nur mit der Komplexität des Auftrags und dem Führungsstil ihrer Chefinnen klarkommen, sondern auch mit ihren privaten Problemen. «Diamanti» ist der bisher erfolgreichste Film des türkisch-italienischen Filmemachers Ferzan Özpetek. In der opulenten Hommage an die Kraft weiblicher Solidarität und die erzählerische Kraft des Kostüms vermischen sich Realität und Fiktion. Joachim Kurz schreibt auf Kino-Zeit: «Ferzan Özpetek huldigt in seinem neuesten Werk dem Melodram, den ganz grossen Gefühlen, und wirft zugleich einen sehnsüchtigen Blick zurück auf das (Film-)Handwerk, welches es in der Form heutzutage nicht mehr gibt. (…) Elegant und voller Herzenswärme inszeniert.»
Mathias bricht mit seinem besten Freund Philippe und seinem stoischen Foxterrier Lucky zu einer Velotour auf, die sie von La Rochelle bis nach Istanbul führen soll. Sie folgen der Route, die Mathias’ tragisch verstorbener Sohn Youri einige Jahre zuvor zurückgelegt hat. Was als leise Trauerbewältigung beginnt, entwickelt sich zu einem überraschend heiteren Abenteuer voller unerwarteter Begegnungen. Dokumentarfilm? Spielfilm? «À bicyclette!» ist eine zutiefst persönliche Arbeit, in der der Schauspieler Mathias Mlekuz in Form eines fiktionalisierten Roadmovies den Tod seines Sohnes verarbeitet. An der Seite von Philippe Rebbot spielt er nicht nur die Hauptrolle, gemeinsam haben sie auch das Drehbuch verfasst. Die Geschichte einer nachgetragenen Liebe und einer anrührenden Männerfreundschaft, die «mühelos zwischen feiner Situationskomik und Ernst, Melancholie und tröstlicher Freude balanciert» (Votivkino), hat das Publikum in Frankreich und der Romandie begeistert. Für Le Figaro war es «Liebe auf den ersten Blick», und Le Parisien schwärmte: «Dieser Film feiert die Liebe zum Leben, selbst in seinen schmerzhaftesten Momenten. Mit diesen beiden Männern könnte man sich sofort anfreunden. Jeder kann sich glücklich schätzen, den anderen an seiner Seite zu wissen. Und wir können uns glücklich schätzen, ihnen auf der grossen Leinwand zu begegnen.»
Hoch oben in den Anden wächst Clara in einer indigenen Quechua-Gemeinschaft auf. Als Ziehtochter von Ana, der letzten traditionellen Hebamme in der Region, soll sie einmal ihre Nachfolge antreten. Schon heute begleitet sie Ana zu Hausgeburten und lernt die alten Rituale ihres Volkes. Mit ihrer aussergewöhnlichen Stimme übernimmt sie die überlieferten Gesänge, die neues Leben auf seinem Weg in die Welt begleiten. Doch während Clara tief in den Traditionen ihrer Gemeinschaft verwurzelt ist, wächst in ihr zugleich die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Über ein altes Radio dringen die Klänge der Chicha-Musik aus der Stadt bis in die Berge und wecken in ihr den Wunsch nach Freiheit und einer Zukunft als Sängerin. Gleichzeitig gerät die Welt ihres Dorfes unter Druck: Ärzt:innen aus der Stadt werben für Geburten in modernen Kliniken und stellen das über Generationen weitergegebene Wissen der Hebammen infrage. Zwischen Verantwortung und Selbstverwirklichung, Herkunft und Aufbruch muss Clara ihren eigenen Weg finden. Mit grosser Sensibilität und in überwältigenden Bildern erzählt Álvaro Olmos Torrico von einer Gemeinschaft im Wandel. Vor der majestätischen Kulisse der Anden entfaltet sich ein bewegendes Drama über Identität, Tradition und den Mut, der eigenen Stimme zu folgen – ohne die Verbindung zu den eigenen Wurzeln zu verlieren.
Im grössten Flüchtlingslager der Welt, in Bangladesch in der Cox’s Bazar Region am Golf von Bengalen, leben rund eine Million Rohingya. Seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2021 sind sie in verschiedenen Flüchtlingswellen aus Myanmar geflohen. Die neunjährige Shomira und ihr vierjähriger Bruder Shofik möchten dem elenden Lager entkommen. So werden sie von ihrem Grossvater und einer Tante nachts auf ein Boot gebracht, das sie nach Malaysia bringen soll. Dort lebt ihr Onkel, der den beiden ein besseres Leben ermöglichen könnte. Auf dem Boot ganz auf sich allein gestellt, erreichen sie nach einer achttägigen, gefährlichen Reise schliesslich Land – doch es ist nicht Malaysia, sondern ein Dschungelgebiet in Thailand … Der japanische Regisseur Akio Fujimoto realisierte bereits mehrere Dokumentar- und Spielfilme über Flüchtlinge in Südostasien. In seinem dritten Spielfilm setzt er ganz auf die Ausdruckskraft eines ausschliesslich mit Laien besetzten Schauspielensembles. Es ist der erste Film, der in der Sprache der Rohingya gedreht wurde. Mit einem dokumentarischen Ansatz, frei von Überdramatisierung und getragen von der meisterlichen Kamera von Yoshio Kitagawa, der durch Ryūsuke Hamaguchis «Evil Does Not Exist» bekannt wurde, schafft er es, bildstark an die weitgehend vergessene Tragödie der Rohingya zu erinnern.
Edith ist Journalistin, Mitte vierzig und alleinerziehend. Ein anonymer Samenspender ist der Vater ihres fünfjährigen Sohnes. Je älter dieser wird, desto grösser werden die Herausforderungen, und Edith befürchtet, ihrem Sohn nicht gerecht zu werden. Als die Identität des Spenders unerwartet ans Licht kommt – ein erfolgreicher Spieleentwickler namens Niels –, nimmt sie unter dem Vorwand, ein Interview über ihn und seine Firma führen zu wollen, Kontakt mit ihm auf. Was als kalkuliertes Treffen beginnt, vertieft sich allmählich zu einer Beziehung, die Ediths Gefühlswelt samt bisherigem Lebenskonzept gehörig durcheinanderwirbelt. «Solomamma» feierte seine Weltpremiere am Locarno Film Festival 2025 und gewann den Preis der Ökumenischen Jury, die ihn für seine tiefgründige Auseinandersetzung mit grundlegenden ethischen Fragen zu Herkunft, Identität und Zugehörigkeit würdigt. Arttv lobt: «Mit ‹Solomamma› erzählt die norwegische Regisseurin Janicke Askevold von einer modernen Mutterschaft, die sich jenseits klassischer Familienmodelle entfaltet – und von den leisen, aber tiefgreifenden Konflikten, die entstehen, wenn persönliche Entscheidungen auf emotionale Realitäten treffen. Getragen von einer nuancierten Performance von Lisa Loven Kongsli entfaltet sich ein zurückhaltendes Drama über Identität und Verantwortung.»
Helen ist Dozentin an einem College in Cambridge und liebäugelt mit einer Stelle an einem Institut im Ausland, als ihr geliebter Vater unerwartet stirbt. Der preisgekrönte Fotograf Alisdair Macdonald hatte seiner Tochter die Liebe zur Natur vermittelt. Sein plötzlicher Tod stürzt Helen in grosse Trauer. Um sich ihm nahe zu fühlen, beschliesst sie, sich einen Habicht zuzulegen – im Wissen, dass diese prächtigen Raubvögel äusserst schwer zu zähmen sind. Zunehmend verliert sie sich in der Herausforderung, das Vertrauen ihres Habichtweibchens zu gewinnen, das sie Mabel nennt. Zur Sorge ihrer Familie und ihrer Freundin vernachlässigt sie ihren Beruf und zieht sich immer mehr zurück. Basierend auf Helen Macdonalds autobiografischem Bestseller H Is for Hawk (deutsch: H wie Habicht) erzählt die Kinoadaption von Trauer, Depression und der einzigartigen Beziehung zwischen Mensch und Tier. Mit brillanten Tieraufnahmen gelingt der britischen Regisseurin Philippa Lowthorpe ein bewegendes, hervorragend gespieltes Drama. Oliver Kube schreibt auf Filmstarts: «Claire Foy ist grossartig als emotional aus der Bahn geworfene Professorin. Die wunderbar raue Natur Ostenglands und ein mehr als eigenwilliger Raubvogel helfen ihr dabei, uns schnell in die wahre (!) Geschichte dieser aussergewöhnlichen Frau hineinzuziehen.»
Der junge Mexikaner Fernando ist ein begabter Balletttänzer und träumt von einer Karriere in den USA. Nach einer ersten Abschiebung gelingt ihm erneut die Einreise – zusammengepfercht mit Dutzenden anderen Migrant:innen in einem Container. In San Francisco angekommen, sucht er umgehend die luxuriöse Wohnung von Jennifer auf, die sich sichtlich über seine Rückkehr freut. Die elegante Frau ist Erbin eines millionenschweren Familienunternehmens und leitet eine Kulturstiftung. Regisseur Michel Franco, der mit Jessica Chastain bereits in «Memory» eine toxische Beziehungsgeschichte erzählt hat, seziert in klug konstruierten, fragmentarischen Szenen ein ausbeuterisches Machtgefälle: hier die privilegierte, erfolgreiche Jennifer mit ihrer gönnerhaften Überheblichkeit, dort der illegal eingereiste Fernando, der auf Selbstbestimmung und Anerkennung pocht. Bei Michel Franco verdichtet sich ihre spannungsreiche, erotische Affäre zu «einer schonungslosen Abrechnung mit der amerikanischen Migrationspolitik und den gesellschaftlichen Denkmustern, die damit verbunden sind», schreibt Janick Nolting auf Filmstarts. Arabella Wintermayr bilanziert in der taz: «Im Schatten von Trumps zweiter Amtszeit besticht ‹Dreams› letztlich nicht nur als präzises Beziehungsdrama, sondern auch durch seine beklemmende Aktualität.»
Gianni, ein pensionierter Professor Mitte siebzig, geniesst sein geruhsames Leben. Er lebt allein in einer schönen Wohnung und verbringt seine Tage mit Spaziergängen, Lesen und Gesprächen mit Freund:innen. Dies alles ändert sich schlagartig, als seine Tochter Sofia aus Heidelberg mit ihren beiden Kindern plötzlich vor der Tür steht. Sie steckt gerade in einer Ehekrise und hat beschlossen, vorübergehend zu ihrem Vater nach Rom zu ziehen. Damit ist es aus mit Ruhe und Beschaulichkeit; Gianni sieht sich konfrontiert mit neuen Herausforderungen und ungewohntem Gefühlschaos. «Come ti muovi, sbagli» heisst der Film im italienischen Original – sinngemäss übersetzt «Was du auch tust, es ist falsch» – und beschreibt treffend Giannis emotionale Achterbahnfahrt. Francesco Puma meint in Quinlan: «Mit seinem neuen Film bestätigt Gianni Di Gregorio seinen einzigartigen Platz in der italienischen Filmlandschaft: ein Autor, der es versteht, die transformative Kraft des Scheiterns zu erkennen und die zerbrechliche Schönheit des Lebens mit Ironie und Feingefühl wiederzugeben. Ein Loblied auf die Unvollkommenheit und die Möglichkeit einer zweiten Chance. (…) Es ist die Liebe, die dabei im Verborgenen wirkt, sie verschiebt Grenzen, verändert Haltungen und zwingt zum Durchhalten.»
Rom, 1980: Die Arbeit an ihrem posthum erschienenen Meisterwerk L’arte della gioia stürzt die Schriftstellerin Goliarda Sapienza in bitterste Armut. In ihrer Not bestiehlt sie eine reiche Freundin und landet im römischen Gefängnis Rebibbia. Die Begegnung mit den Insassinnen, ihrer Vitalität und Solidarität, eröffnet ihr eine völlig neue Welt. Als sie aus der Haft entlassen wird, bleibt sie mit einigen Frauen befreundet, was in den intellektuellen Kreisen Roms auf Unverständnis stösst. Insbesondere der jungen Roberta, die sie auf ihren Spritztouren und kleinen Gaunereien begleitet, ist sie eng verbunden … Maike Albath, Spezialistin für italienische Literatur, nannte Goliarda Sapienza «ein Naturereignis». Obwohl eine der grossen Autorinnen der europäischen Literatur des 20. Jahrhunderts, wurde sie erst kürzlich wiederentdeckt. Sapienza arbeitete als Theater- und Filmschauspielerin, unter anderem bei Luchino Visconti und Luigi Comencini, bevor sie 1950 zu schreiben begann. Ihre Inhaftierung in Rebibbia hat sie in ihrem beeindruckenden, autofiktionalen Werk L’università di Rebibbia festgehalten, das ebenfalls erst posthum veröffentlicht und vor wenigen Jahren ins Deutsche übersetzt wurde. «Fuori» ist von ihrem bewegten Leben zwischen Kunst, Politik und Boheme inspiriert.
Lilia hat sich in Paris ein eigenständiges Leben aufgebaut und kehrt zur Beerdigung ihres Onkels erstmals in ihre Heimat Tunesien zurück. Ihre Partnerin Alice bringt sie zwar mit, setzt sie aber in einem Hotel ab – ihre Familie darf nicht wissen, dass sie mit einer Frau zusammenlebt. Während im Haus ihrer Grossmutter die Verwandtschaft zu den Trauerfeierlichkeiten zusammenkommt und ein Mantel des Schweigens über den mysteriösen Umständen liegt, unter denen ihr Onkel zu Tode kam, wird Lilia erneut bewusst, warum sie Tunesien verlassen hat. Sie macht sich daran, das Rätsel um sein tragisches Ende aufzuklären. Vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, in der Homosexualität noch immer strafbar ist, privat aber hinter vorgehaltener Hand geduldet wird, zeichnet die in Frankreich lebende tunesische Regisseurin Leyla Bouzid ein dichtes Familienporträt über unausgesprochene Wahrheiten und die stille Sehnsucht nach Verständnis. Mia Pflüger schreibt auf Kino-Zeit: «Eya Bouteraa trägt den Film mit zurückgenommener Intensität, während Hiam Abbass sein moralisches Zentrum bildet. Ihre Darstellung einer Mutter, die ihren Bruder einst zur Offenheit ermutigte, diese Freiheit jedoch ihrer Tochter nicht gewähren kann, verleiht dem Film seine grösste Tiefe. (…) Bouzids Schlussbilder öffnen einen hoffnungsvollen Ausblick auf eine Generation, die ein Leben im Flüsterton nicht länger akzeptieren will.»
Seit 2017 ist es Frauen in Saudi-Arabien erlaubt, in eigenem Namen eine Wohnung zu mieten, seit 2018 dürfen sie Auto fahren. Die Enddreissigerin Azza Al Shareef gehört zur wachsenden Zahl saudischer Frauen, die von diesen Lockerungen profitieren – und sie ist eine der ersten Fahrlehrerinnen im Land. Über einen Zeitraum von drei Jahren hat die deutsche Regisseurin Stefanie Brockhaus ihre Protagonistin bei der Arbeit und in ihrer Freizeit begleitet. Sie zeigt, wie mühevoll Azzas emanzipatorischer Weg war – und nach wie vor ist. Mit 16 Jahren von ihrem Vater zwangsverheiratet, bekam sie vier Kinder und war in einer von Gewalt geprägten Ehe gefangen. Erst mit 35 schaffte sie es, sich daraus zu befreien. Heute ist sie mit einem selbst gewählten Ehemann glücklich verheiratet, leidet aber darunter, dass sie ihre vier Kinder aus erster Ehe nur selten sehen und sie kaum auf ihrem Lebensweg begleiten kann. Markus Solty schreibt auf Film-Rezensionen: «Azza ist eine beeindruckende Protagonistin. Mit scharfem Humor, grosser Schlagfertigkeit und einer bemerkenswerten Energie navigiert sie nicht nur durch den chaotischen Verkehr, sondern auch durch die Widersprüche ihres Lebens. Dabei lebt der Film weniger von spektakulären Enthüllungen als von kleinen Momenten, in denen sichtbar wird, wie hart erkämpft selbst scheinbar alltägliche Freiheiten sein können.»
Mit Herzblut und Entschlossenheit leitet die Gynäkologin Dr. Diane Khoury die «Maison des femmes» im Pariser Vorort Saint-Denis. Die Einrichtung bietet gewaltbetroffenen Frauen medizinische Versorgung und psychologische Betreuung. Diane wird von einem eingeschworenen Team, dem die Hebamme Manon, die junge Assistenzärztin Inès und die Krankenschwester Awa angehören, engagiert unterstützt. Als eines Tages staatliche Finanzprüfer:innen auftauchen, steht Diane vor der grössten Herausforderung ihrer Karriere: das Zentrum zu retten, das in seiner Existenz bedroht ist. Regisseurin Mélisa Godet legt mit ihrem Kinodebüt ein packendes Sozialdrama vor, das als Ensemblefilm mit Karin Viard, Pierre Deladonchamps und Lætitia Dosch einige der bedeutendsten französischen Schauspieler:innen vereint, die mit grosser Spielfreude agieren, allen voran Karin Viard als energiegeladene Leiterin. Rebecca Cherry schreibt auf Film Carnage: «‹La Maison des femmes› zeigt eindrücklich die Art von Fürsorge und umfassender Behandlung, die man jeder Frau wünscht, die Gewalt erlebt hat. Die Schönheit dieser Fürsorge und des Mitgefühls wird durch ein grossartiges Ensemble verkörpert, das eine starke, intelligente und unermüdliche Gruppe von Figuren gemeinsam zum Leben erweckt, was diesen Film zum beglückenden Erlebnis macht.»
Vor drei Jahren ist Clémence aus ihrer bürgerlichen Ehe ausgebrochen und hat ihren Job als Anwältin an den Nagel gehängt, um sich neu zu erfinden. Sie schreibt an ihrem Romandebüt und geht in ihrem neuentdeckten Begehren für Frauen auf. Mit ihrem Noch-Ehemann Laurent teilt sie sich freundschaftlich im Wochenwechsel die Fürsorge für ihren achtjährigen Sohn Paul. Doch als Laurent von ihren Liebschaften erfährt, reagiert er in seiner gekränkten Eitelkeit und Eifersucht mit nachtragender Vehemenz. Unter dem Vorwand, ihr neuer Lebensstil gefährde das Kindeswohl, beantragt er das alleinige Sorgerecht. Für Clémence beginnt ein jahrelanger, zermürbender Kampf um ihren Sohn, aber auch um ihre sexuelle und intellektuelle Selbstbestimmung. Mit einer grossartigen Vicky Krieps in der Hauptrolle gelingt Regisseurin Anna Cazenave Cambet eine bewegende Verfilmung des gefeierten, autofiktionalen Romans der Pariser Autorin Constance Debré. Markus Solty schreibt auf Film-Rezensionen: «‹Love Me Tender› erzählt kein klassisches Gerichtsdrama, sondern ist ein stilles, präzise beobachtetes Protokoll institutioneller Gewalt. Der Film interessiert sich weniger für spektakuläre Konfrontationen als für die langsame Erosion einer Frau durch bürokratische Verfahren, psychologische Begutachtungen und den permanenten Verdacht, der ihrer Lebensweise entgegengebracht wird.»
Die Lehrerin Fred steht familiär wie beruflich vor einem Scherbenhaufen: Ihr Mann hat sie verlassen, ihre Tochter kapselt sich ab und von ihrer Schule wurde sie suspendiert. Um diese Krise zu überbrücken, bewirbt sie sich bei einem in Frankreich als «marche de rupture» bezeichneten Resozialisierungsprogramm. Auf einer längeren Wanderung, meist entlang des Jakobswegs, sollen Menschen in Krisensituationen individuell begleitet werden, um – weit weg von ihrer gewohnten Umgebung – neue Lebensperspektiven zu entwickeln. Als Fred die Stelle bekommt, wird ihr der 17-jährige Delinquent Adam als Begleiter zugeteilt. Auf der gemeinsamen Pilgerreise sind beide gezwungen, sich ihren inneren Konflikten zu stellen. So wächst zwischen ihnen eine Verbundenheit, getragen von gegenseitigem Verständnis und Respekt. Regisseur Yann Samuell erzählt in «Compostelle» von zwei Fremden, die auf dem Jakobsweg nicht nur zueinander, sondern auch zu sich selbst finden. Eingebettet in grandiose Landschaften – vor allem im französischen Teil des Jakobswegs – entwickelt sich eine bewegende Geschichte um Neuorientierung, Loslassen und die Kraft des Zusammenhalts. Die Redaktion von Diverto schreibt: «Mit Humor und Herz tragen Alexandra Lamy und Julien Le Berre diesen Film, der sich von den Erlebnissen junger Menschen inspirieren liess, die solche Wanderungen unternommen haben.»
Die neue Dokumentation der Reihe «Exhibition on Screen» widmet sich dem Phänomen Frida Kahlo (1907–1954). Die Faszination für die aussergewöhnliche Künstlerin und ihr einzigartiges Werk ist ungebrochen. Nach dem coronabedingten Stopp der ersten Version kommt eine erweiterte Fassung in die Kinos. Anlässlich der aktuellen Ausstellungen «Frida Kahlo: The Making of an Icon» im Museum of Fine Arts in Houston und der Tate Modern in London wurde ein kurzer Exkurs hinzugefügt, der sich mit der Rezeption der heutigen Queer- und Stilikone durch zeitgenössische Kunstschaffende sowie dem daraus resultierenden «Kahlo-Kult» und seiner kommerziellen Vermarktung befasst. Kahlos Werke sind eine stetige Selbstreflexion: über ihr körperliches Leiden, verursacht durch einen schweren Unfall mit 18 Jahren, und die schwierige Beziehung zu Diego Rivera. Gleichzeitig zeigt sie sich in ihren 55 Selbstporträts als Meisterin der Selbstinszenierung mit den markanten Augenbrauen, den Blumenkränzen im hochgesteckten Haar und der farbenfrohen mexikanischen Kleidung. Auszüge aus Briefen und Tagebüchern lassen sie selbst zu Wort kommen, ergänzt durch kenntnisreiche Kommentare von Fachleuten sowie brillante Detailaufnahmen der Gemälde. Bei allem Leiden darf man Kahlos Lebenshunger und Lebensfreude nicht vergessen – ihr letztes Gemälde trägt den Titel «Viva la vida».
London, 1953: Der verwitwete Rodney Williams führt ein freudloses, von Routinen bestimmtes Leben. Als wortkarger leitender Beamter in der Abteilung für öffentliche Bauaufträge hat er sich über Jahrzehnte in die bürokratischen Mühlen einer trägen städtischen Verwaltung eingefügt. Als ihm sein Arzt Krebs im Endstadium diagnostiziert, verschweigt er die erschütternde Nachricht seinem Sohn und dessen Frau. Doch in ihm wächst das Gefühl, sein Leben verpasst zu haben und nichts hinterlassen zu können. Er weicht von seinen Routinen ab, bleibt der Arbeit fern und knüpft freundschaftliche Bande zu einer jungen Mitarbeiterin. Durch diese inspiriert, fasst Williams den Entschluss, ein Projekt aus dem Berg unbearbeiteter Anträge zu verwirklichen. Regisseur Oliver Hermanus inszenierte ein kongeniales Remake des humanistischen Meisterwerks «Ikiru» (1952) von Akira Kurosawa. Das berührende Drehbuch, das wie der grossartige Hauptdarsteller Bill Nighy für einen Oscar nominiert war, stammt vom Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro. «Ein leiser, wehmütiger Film, der nie in Kitsch oder Nostalgie verfällt, aber durch seine genaue Charakter- und Milieuschilderung eine verflossene Epoche skizziert», heisst es im Filmdienst. Und Sight and Sound lobt: «‹Living› ist das seltene Beispiel für ein Remake eines Meisterwerks, das mit dem Original mithalten kann.»
Es beginnt mit dem spektakulären Abriss des Daches einer Hütte – dem ehemaligen Atelier von Anna. Die Künstlerin und Mutter dreier Kinder hat sich kürzlich von Magnús, dem Kindsvater, getrennt. Während dieser ausgezogen ist und als Arbeiter auf einem Fischkutter schon früher oft abwesend war, ist Anna mit den Kindern in dem geräumigen und abgelegenen Haus nahe der wilden isländischen Küste geblieben und möchte ihre Karriere als Künstlerin vorantreiben. Was allerdings nicht nur wegen des Verlustes ihres Ateliers erschwert wird, sondern auch, weil wegen der liebevollen Verbindung zu ihren Kindern ihre Beziehung zu, respektive Trennung von Magnús nicht so eindeutig ist, wie es scheint … Auf 35 Millimeter und im Akademieformat gedreht, mit den eigenen Kindern als Darsteller:innen, schafft Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann Hlynur Pálmason vor Islands grandioser Landschaft einen hybriden Familienfilm voller verrückt-künstlerischer Einfälle. David Rooney schreibt in The Hollywood Reporter: «Was ein vertrautes Familiendrama hätte werden können, wird hier dank eines bewundernswert unkonventionellen Zugangs voller traumhafter Umwege zum zarten, die Grenzen zwischen Realität und Fantasie wiederholt verwischenden Porträt einer Trennung, deren müde Traurigkeit von einem hervorragenden Protagonistenpaar genial verkörpert wird.»
Die Schwestern Sachi, Yoshino und Chika sind zwischen 19 und 29 Jahre alt und leben mit ihrer Mutter im alten Haus ihrer Grossmutter. Ihr Vater hat die Familie vor langer Zeit wegen einer anderen Frau verlassen. Als sie eines Tages erfahren, dass er gestorben ist, fahren sie mehr aus Pflichtbewusstsein als aus Trauer zu seiner Beerdigung. Dort lernen sie ihre 13-jährige Halbschwester Suzu kennen und laden sie ein, zu ihnen zu ziehen. Ihre Mutter ist davon anfänglich wenig begeistert … Basierend auf der Manga-Serie Umimachi Diary, erzählt Hirokazu Koreeda einfühlsam und poetisch von brüchigen Familienbanden und «Alltagsritualen, in denen sich die Schönheit und das Glück des Daseins manifestieren» (Filmdienst). Wenke Husmann schrieb in Die Zeit: «Koreeda feiert das Leben, indem er den Augenblick betont. Darin besteht der Zauber seiner Filme. Vergänglichkeit und Tod werden dabei nicht geleugnet. Im Gegenteil, beides wird gezeigt, im Verstreichen der Jahreszeiten, im Wandel des Lichts, im Sterben von Figuren, die uns über den Film ans Herz gewachsen sind. Einmal fährt Suzu auf dem Gepäckträger eines Freundes durch eine Strasse, die ganz überwölbt ist vom strahlend weissen Blühen der Kirschbäume. Die Kamera zeigt uns dazu das Lächeln auf Suzus Gesicht, und man sieht: Glück ist, die Schönheit im Vergänglichen zu erkennen.»
Johan Otto von Spreckelsen? Das Erstaunen ist gross, als Präsident Mitterrand im Mai 1983 den Gewinner des Architekturwettbewerbs und dessen Siegerprojekt «La Grande Arche» für das im Grossraum Paris gelegene Geschäftsviertel La Défense bekannt gibt. Niemand kennt den 54-jährigen dänischen Architekten und Universitätsprofessor, der bis dahin gerade mal vier Kirchen und sein eigenes Wohnhaus gebaut hat. «La Grande Arche», eine Art moderner Triumphbogen, bildet den vorläufigen Endpunkt der historischen Sichtachse durch den Westen von Paris. Spreckelsens Ideen stossen jedoch schnell an die Grenzen einer komplexen Realität: bautechnische Probleme, Finanzierung und nicht zuletzt die Unberechenbarkeit der Politik. Stéphane Demoustiers fünfter Spielfilm basiert auf dem Doku-Roman La Grande Arche von Laurence Cossé und erzählt vom dramatischen Kampf um die Realisierung eines ikonischen Bauwerks und von dessen ebenso visionären wie kompromisslosen Architekten. Der Film ist mit Claes Bang («The Square»), Sidse Babett Knudsen, Xavier Dolan und Swann Arlaud erstklassig besetzt. Die Redaktion von Voici lobt: «Ein Blick hinter die Kulissen des Baus der ‹Grande Arche› fesselt, die politischen Debatten regen zum Nachdenken an und der tragische Protagonist berührt: ein Wurf!»
Die junge Amélie entdeckt eines Tages in ihrer Wohnung ein Metallkästchen mit Erinnerungsstücken eines früheren Bewohners. Sie beschliesst, ihn zu suchen, um ihm seine Schatztruhe zurückzugeben. Sollte er von ihrer Geste gerührt sein, so will sie auch das Leben anderer Menschen mit kleinen Freundlichkeiten versüssen. Und so hilft Amélie dem Glück ihrer Mitmenschen auf die Sprünge – nur ihr eigenes kriegt sie nicht so recht in den Griff … Mit seinem federleichten, farbtrunkenen Kinomärchen gelang Jean-Pierre Jeunet ein international gefeierter Überraschungshit, der Audrey Tautou über Nacht zum Star machte. Enno Park lobte auf Filmstarts: «‹Le Fabuleux destin d’Amélie Poulain› ist voller Leichtigkeit und Poesie, voller Schmerz und Glück. Der Film dreht nie das grosse, melodramatische Rad, sondern ergeht sich in einer Unmenge kleiner, liebenswerter Details. (…) Er ist jetzt schon ein Kultfilm. Ein überquellendes Füllhorn genialer Einfälle, poetischer Momente, wundervoller Bilder und oft witziger, oft philosophischer Dialoge. Dass er so gut funktioniert, liegt aber auch an der ausgezeichneten Darstellerriege, allen voran Audrey Tautou, die mit ihrem elfenhaften Typ nicht nur eine grossartige Entdeckung ist, sondern alle Aussicht hat, so etwas wie eine neue Audrey Hepburn zu sein.»
Die ehemalige Literaturprofessorin Lena ist unheilbar krank und hat sich zum Sterben von Mexiko-Stadt in ihr verlassenes Kolonialhaus auf der Halbinsel Yucatán zurückgezogen. Hier begegnet sie Leon, einem alten Maya, der die Geheimnisse der Natur und der Geister hütet und dessen bescheidenes Häuschen einer Strasse weichen soll. Trotz ihrer kulturellen Unterschiede und scheinbar gegensätzlichen Lebenswelten entsteht zwischen den beiden einsamen Seelen eine tiefe Verbindung. In Leon findet Lena einen unerwarteten Begleiter für ihre letzten Tage, der ihr die Weisheit der Natur näherbringt und ihre Angst vor dem Tod besänftigt. In betörendem Schwarz-Weiss und mit zwei hinreissenden Hauptdarsteller:innen gelingt dem Westschweizer Regisseur Germinal Roaux («Fortuna») eine zutiefst poetische, philosophische Erzählung über das Alter, seine stillen Veränderungen und das wesentlichste Band, das uns verbindet: die Liebe. Marco Pierrard schwärmt auf CitaZine: «Als wunderschönes, zur Kontemplation einladendes visuelles Gedicht trotzt ‹Cosmos› der Zeitlichkeit des Kinos, um eine ungewöhnliche Annäherung einzufangen, die die Klischees seiner dramaturgischen Prämisse sprengt. Ein kostbarer Moment des Innehaltens zwischen moderner Kultur und altem Maya-Glauben, der sich dem Rhythmus der Natur anpasst, um die Akzeptanz der Endlichkeit zu feiern.»
Expressionistische Malerin, Lesbe und überzeugte Nationalsozialistin – in ihrem filmischen Essay widmet sich Regisseurin Birgitta Weizenegger der so schillernden wie widersprüchlichen Persönlichkeit der Künstlerin Stephanie Hollenstein (1886–1944). Aufgewachsen in einer armen Bauern- und Stickerfamilie in Lustenau, studierte sie in München Malerei und etablierte sich später in der Wiener Kunstszene, wo sie als Vorsitzende der Vereinigung Bildender Künstlerinnen Österreichs Sichtbarkeit für die Kunst von Frauen forderte. Sie widersetzte sich Geschlechternormen und lebte offen homosexuell, zu einer Zeit, als dies noch strafbar war. Im Ersten Weltkrieg kämpfte sie, als Mann verkleidet, an der Front. Birgitta Weizenegger wandte für ihr Doku-Drama eine einzigartige Methode an, um eine emotionale Ebene zu erzeugen und die Zuschauer:innen unmittelbar anzusprechen: Sie hat die Darstellerin Irina Wrona direkt mit Aussagen von Zeitgenoss:innen oder Fachleuten, darunter Nina Schedlmayer, Kunsthistorikerin und Autorin der Biografie Hitlers queere Künstlerin, zu ihrer Figur konfrontiert. Birgitta Weizenegger sagt: «Der Film nähert sich der Figur ohne moralische Vereinfachung. Er fragt, wie widerstandsfähig Kunst ist, wenn rechte Ideologien kulturelle Räume besetzen und was diese Geschichte über unsere Gegenwart aussagt.»
Selma und Nori freuen sich auf ihr erstes gemeinsames Kind und eine Zukunft als Familie. Doch eines Morgens findet Nori sich – ohne jegliche Erinnerung – verwirrt und verletzt in einem Park wieder, während Selma eine Fehlgeburt erleidet. Diese beiden Vorfälle stellen ihre Beziehung auf eine harte Probe: Selma zieht sich immer mehr in ihren Schmerz zurück, während Nori von seinen bruchstückhaft auftauchenden, verstörenden Erinnerungen eingeholt wird. Zwischen den beiden scheint sich eine endgültige Entfremdung anzubahnen … Lisa Blatter erzählt in ihrem zweiten Spielfilm von der Schwierigkeit, Gefühle zu kommunizieren. «Es gibt so viel Unausgesprochenes», sagt die Regisseurin. «Selma möchte das Erlebte teilen, Nori möchte Selma vor dem Erlebten bewahren.» Der einfühlsame Film wird von Carla Juri und Dashmir Ristemi getragen. Die 41-jährige Tessinerin («Feuchtgebiete», «Paula») kann auf eine steile Karriere zurückblicken; einen bleibenden Eindruck hinterliess sie als «Erinnerungsingenieurin» Ana in «Blade Runner 2049». Dashmir Ristemi spielte bereits in Lisa Blatters Debüt «Skizzen von Lou». «Von dem, was bleibt» feierte Weltpremiere am Zurich Film Festival 2025, das in seiner Programmankündigung lobte: «Raffiniert erzählt, schafft Lisa Blatter vor der urbanen Kulisse Zürichs ein feines Drama, das das Unausgesprochene in Beziehungen sichtbar macht.»
Blandine reist aus der Normandie nach Paris, um während der Sommerolympiade ihre Lieblingsschwimmerin Béryl Gastaldello anzufeuern. Kaum angekommen, geht alles schief: Wegen des grossen Rucksacks wird ihr der Zutritt ins Stadion verwehrt, zudem wird sie wegen eines Buchungsfehlers nach einer Nacht aus der Herberge gewiesen. Glücklicherweise findet sie bei ihrer Halbschwester Julie Unterschlupf. Diese ist zunächst erfreut, Blandine zu sehen, da sie jedoch mitten in einer Trennung steckt, reagiert sie zunehmend gereizt. Allen Widrigkeiten zum Trotz geht Blandine unerschütterlich ihres Weges … Mit ihrem vom Spiegel als Entdeckung gefeierten Debüt legt Valentine Cadic eine impressionistisch hingetupfte Sommerkomödie vor, ein kleines Sommermärchen, das sie im realen Setting des Pariser Olympia-Taumels gedreht hat. Mit Blandine, von Blandine Madec mit eigenwilligem Charme verkörpert, hat die Regisseurin eine der liebenswertesten Frauenfiguren geschaffen, der man in letzter Zeit im Kino begegnet ist. Auch Birgit Roschy, epd Film, ist bezaubert: «Die ebenso flüchtigen wie warmherzigen Begegnungen, von denen diese dreitägige Chronik getaktet ist, erinnern an die Sommerfilme von Éric Rohmer – und die unerwartete, oft burleske Dynamik von Blandines Odyssee sowie ihre heitere Melancholie an Jacques Tati. Von dieser Schauspielerin will man definitiv mehr sehen.»
«In der Ehe heisst es: In guten wie in schlechten Zeiten. Ich glaube, ich bin jetzt im ‹schlechten› Teil angelangt, und das geschah so leise, dass ich es nicht einmal bemerkt habe.» – «Blue Moon» erzählt die Geschichte des legendären Songtexters Lorenz Hart (Blue Moon, My Funny Valentine), dessen berufliches und privates Leben während der Premierenfeier für das Musical Oklahoma! ins Wanken gerät, mit dem sein langjähriger künstlerischer Partner, der Komponist Richard Rodgers, erstmals ohne ihn einen grossen Erfolg feiert. Über 100 Minuten in Echtzeit schildert Richard Linklater die Ereignisse in der Bar Sardi’s am Abend des 31. März 1943, wo eine Vielzahl von Schriftsteller:innen, Schauspieler:innen, Musiker:innen und Protegé(e)s auftreten – eine Parade der Berühmten und derer, die es werden wollen. Mit einem umwerfenden Ethan Hawke in der oscarnominierten Hauptrolle gelingt Linklater eine äusserst unterhaltsame Betrachtung über Freundschaft, Kunst und Liebe. Anlässlich der Weltpremiere auf der Berlinale schwärmte Jonathan Romney im Guardian: «Ein wunderschön inszeniertes Kammerstück, unverhohlen theatralisch, witzig, pikant und ergreifend. Hawkes Hart ist abwechselnd manisch, selbstmitleidig und triumphierend witzig. Er liefert eine raffinierte, überzeugende Tour de Force, die den Broadway alter Schule auf den roten Teppich in Berlin brachte.»
Der 13-jährige John ist ein aufgeweckter, beliebter Junge und ein vielversprechendes Ass im Tor, als sich bei ihm die ersten Symptome des Tourette-Syndroms bemerkbar machen. In den frühen 1980er-Jahren ist die Krankheit noch weitgehend unbekannt. Seine nervösen Ticks und verbalen Entgleisungen stossen in seinem Umfeld statt auf Verständnis auf Spott, Bestrafung und Ausgrenzung. Sein Leben wird zu einem einzigen Spiessrutenlauf – bis er mit Mitte zwanzig in der Mutter eines Freundes einen rettenden Engel findet. Die an Krebs erkrankte ehemalige Psychiatriekrankenschwester ist fest entschlossen, in der ihr verbleibenden Zeit dem jungen Mann zu helfen … Basierend auf der gleichnamigen Autobiografie des britischen Tourette-Aktivisten John Davidson, der für sein Engagement 2019 von der Queen in den Order of the British Empire aufgenommen wurde, gelingt Regisseur Kirk Jones ein hinreissend warmherziges und berührendes Biopic. Stefan Volk schwärmt im Filmdienst: «Du bist okay, so wie du bist! Selten hat ein Film diese kitschig-schöne Botschaft so überzeugend, glaubwürdig und unpathetisch transportiert. (…) Mit einem überwältigenden Ensemble rund um den herausragenden Robert Aramayo als erwachsener John entwickelt sich dieser nervenaufreibende, tragikomisch verstörende Film zu einem der schönsten, lustigsten und ermutigendsten Wohlfühlfilme seit ‹Harold and Maude›.»
Dem jungen polnischen Ingenieur Jan Bojarski gelingt während des Zweiten Weltkriegs die Flucht nach Frankreich. Unter der deutschen Besatzung entdeckt er sein Talent zur Fälschung von Papieren. Nach dem Krieg will er seine diversen Erfindungen patentieren lassen, doch ohne Registrierung beim Einwohneramt bleibt ihm dies verwehrt. So sieht er sich gezwungen, schlecht bezahlte Gelegenheitsjobs anzunehmen – bis ihn ein zwielichtiger Zeitgenosse für die Herstellung von Falschgeld anwirbt. Fortan führt er ein geheimes Doppelleben, von dem auch seine Familie nichts ahnt. Als plötzlich eine Flut von Falschgeld in Umlauf kommt, gerät Bojarski ins Visier von Inspektor Mattéi, worauf ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt … Mit einem grossartigen Cast rund um die französischen Schauspielstars Reda Kateb, Sara Giraudeau und Bastien Bouillon sowie einer perfekt authentischen Ausstattung im Stil des Film noir der 1950er-Jahre verwebt Jean-Paul Salomé nach «La Syndicaliste» erneut einen realen Stoff zu einem packenden Drama: Es ist die mitreissende Geschichte von Czesław Bojarski (1912–2003), einem der brillantesten Geldfälscher des 20. Jahrhunderts. Stéphanie Belpêche schreibt in Le Journal du Dimanche: «Reda Kateb verkörpert diesen faszinierenden Antihelden mit Charisma und Eleganz, der allein durch Blicke und Schweigen alles auszudrücken vermag.»
Die einsame junge Ila möchte ihren gleichgültigen Ehemann Rajeev wieder für sich gewinnen. Und da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, lässt sie ihm täglich ein selbst zubereitetes Essen ins Büro bringen. Doch Rajeev nimmt keinerlei Notiz davon, denn er ist mit einer Liebschaft beschäftigt. Eine Nachbarin rät Ila, zur Rückeroberung ihres untreuen Gatten kleine Liebesbotschaften in die Lunchbox zu legen. Was Ila allerdings nicht weiss: Ihre Sendung landet jeweils irrtümlich bei Saajan, einem einsamen Witwer, der als Buchhalter kurz vor der Pensionierung steht. Der ist von den Köstlichkeiten so angetan, dass sich sein Naturell verändert und er schliesslich auf die Liebesbotschaften antwortet … Hervorgegangen aus einem Dokumentarfilmprojekt über die «Dabbawalas» von Mumbai – Essenslieferanten, die in der indischen 20-Millionen-Metropole vielen Büroangestellten ihr frisch zu Hause zubereitetes Mittagessen überbringen – kam Regisseur Ritesh Batra durch persönliche Erzählungen der «Dabbawalas» die zentrale Idee zu seinem Film: die Verwechslung einer «Dabba», einer Lunchbox, die zu einer Liebesgeschichte führt. Rainer Gansera schrieb in der Süddeutschen Zeitung: «Riechen, schmecken, fühlen. Die Sinne und die Herzen öffnen sich zugleich. ‹The Lunchbox› ist eine zauberhafte Alchemie aus Kochkunst und Liebessehnsucht.»
Die heute 82-jährige Germaine Acogny zählt zu den wichtigsten künstlerischen Stimmen Afrikas und gilt als «Mutter des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes». In der von ihr entwickelten «Acogny-Technik» verbindet sie traditionelle westafrikanische Tänze mit europäischen Einflüssen und begeistert damit die Welt. Nach einer Ausbildung in klassischem Tanz in Paris war sie die erste künstlerische Leiterin des wegweisenden Tanzinstituts «Mudra Afrique», das von Maurice Béjart und dem ersten Präsidenten des unabhängigen Senegal, Léopold Sédar Senghor, gegründet wurde. Seit den späten 1990er-Jahren unterrichtet sie an ihrer Schule «École des Sables» im Senegal Tanzbegeisterte aus ganz Afrika und der Diaspora. Die fesselnde Dokumentation von Greta-Marie Becker – durch ihr Studium ebenfalls engagiert in interkulturellen und dekolonialen Geschlechterdiskursen – verknüpft Archivaufnahmen legendärer Choreografien Acognys mit aktuellen Aufnahmen mitreissender Workshops mit jungen Tänzer:innen ihrer «École des Sables». Silvia Hallensleben schreibt für epd Film: «Das Bewegungskonzept von Germaine Acogny gründet auf kraftvollem Kontakt zur Erde und der bewegten Wirbelsäule als ‹Schlange des Lebens›. (…) Zugleich ist es praktische Kritik am kolonial und patriarchal geprägten Blick.»
Die beiden mittellosen Fünfzigjährigen Carlobianchi und Doriano sind Freunde, die sich so optimistisch wie listig durch alkoholgetränkte Tage manövrieren. Stets mit dem Ziel, noch ein letztes Glas zu trinken. Eigentlich sind sie zum Flughafen unterwegs, um ihren alten Freund Genio abzuholen, der lange in Argentinien gelebt hat. Eilig haben sie es jedoch nicht. Als sie bei einer Studentenfeier auf den schüchternen Architekturstudenten Giulio treffen, nehmen die kontaktfreudigen Saufkumpane ihn unter ihre Fittiche. Giulio will eigentlich nur nach Hause, um für eine Prüfung zu büffeln, doch ihrer Hartnäckigkeit entkommt er nicht. Auf ihrem Roadtrip durch Venetien erlebt das ungleiche Trio kuriose Zufallsbegegnungen und abenteuerliche Momente. Die bittersüsse Komödie «Le città di pianura» war in Italien ein Publikumshit und gewann dieses Jahr sechs David-di-Donatello-Preise, darunter für den besten Film und die beste Regie. Francesca Nobili schreibt auf CineFacts, Francesco Sossai habe «einen der interessantesten italienischen Filme des Jahres inszeniert. Die Reflexion über das heutige Venetien, über eine Provinz im Wandel, spricht direkt die Gegenwart an. Einsamkeit und urbane oder halbländliche Entfremdung treten deutlich zutage und geben Orten und Menschen eine Stimme, die vom Mainstream-Kino oft vergessen werden.»
Hirayama arbeitet als Toilettenreiniger in einem gehobenen Viertel von Tokio. Nach dem Aufstehen schlüpft er in einen blauen Overall, setzt sich in seinen Lieferwagen und fährt zu seinem ersten Einsatzort, einem schmucken, an einen Tempel erinnerndes Toilettenhäuschen. Seine Arbeit verrichtet er mit hingebungsvoller Präzision, die Mittagspausen verbringt er in einen Park, wo er seiner Passion nachgeht: Er fotografiert Baumkronen. Zurück im Auto hört er auf einem Kassettenrekorder alte Rocksongs von Patti Smith, The Kinks und Lou Reed. Eines Tages steht plötzlich seine Nichte vor ihm, zu der er seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Die Begegnung konfrontiert Hirayama mit seiner Vergangenheit, die er glaubte, hinter sich gelassen zu haben. «Perfect Days» ist ein leiser, perfekt komponierter Film von geradezu überwältigender poetischer Kraft. Kōji Yakusho, der 2023 in Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde, verkörpert den wortkargen Hirayama mit einer ätherischen Präsenz, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Rouven Linnarz schreibt auf Film-Rezensionen: «‹Perfect Days› ist ein stilles Drama um den Wert des Glücks in der heutigen Welt. Wim Wenders gelingt ein unterhaltsamer, oft sehr poetischer Film, der die Frage nach dem richtigen Leben stellt und einen Menschen zeigt, der meint, dies für sich gefunden zu haben.»
Die Welt geht unter, Kalifornien versinkt im Meer, das Internet ist tot – doch in einer amerikanischen Kleinstadt herrscht vor allem Dankbarkeit gegenüber «Chuck» Krantz, einem gewöhnlichen Buchhalter, der freundlich von Plakatwänden und aus dem Fernsehen lächelt. Wer ist dieser Mann, den niemand wirklich zu kennen scheint? Ein Rätsel, das weit zurückreicht – bis in dessen Kindheit bei seiner Grossmutter, die ihre Leidenschaft fürs Tanzen an ihn weitergab, und seinem Grossvater, der ihn in die Geheimnisse der Buchhaltung einweihte und ihn unbedingt vor jenem der verschlossenen Dachkammer schützen wollte. Ein Rätsel, das vor allem eine Frage aufwirft: Kann das Schicksal eines Einzelnen die ganze Welt verändern? Mit «The Life of Chuck» gelang Regisseur Mike Flanagan eine tief bewegende Adaption von Stephen Kings gleichnamiger Kurzgeschichte. Geschickt verbindet er das Mystische der Vorlage mit den grossen Fragen des Lebens und findet Magie in der zauberhaften Melancholie des menschlichen Daseins. Anna Wollner schreibt auf NDR Kultur: «Der Film ist eine Ode an das Leben, nicht traurig, aber sentimental und trotzdem lebensbejahend. Nur auf den ersten Blick ein Katastrophenfilm. Denn in seinem leichtfüssigen Kern vermittelt er eine ganz einfache Botschaft: Öfter mal die Aktentasche fallen lassen und ausgelassen tanzen – als gäbe es kein Morgen.»
Anlässlich des 100. Geburtstags der mythenumrankten Autorin am 25. Juni sind nicht nur neue Biografien, Erinnerungen und Essays erschienen, sondern auch ein Dokumentarfilm. Für ihre Annäherung an Leben und Werk einer der grössten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts hat Regina Schilling Archivschätze gehoben und mit inszenierten Szenen, die Ingeborg Bachmann durch einen imaginären Tag in Rom begleiten, zu einem kunstvollen Dokumentarfilm verwoben. Sandra Hüller beginnt diesen Tag auf der Veranda eines eleganten Apartments, das an Bachmanns letzte Wohnung erinnert. Der Film ruft zentrale Lebensstationen der Autorin ins Gedächtnis: ihre prägende Kriegsjugend in Klagenfurt, ihren glanzvollen Aufstieg zur gefeierten Lyrikerin, die das Spiegel-Cover zierte, bis zu ihren letzten Tagen in Rom. Zur Sprache kommen ihre komplizierten Beziehungen zu dem Lyriker und Holocaust-Überlebenden Paul Celan, dem Komponisten Hans Werner Henze sowie dem Schweizer Autor Max Frisch, mit dem sie in Rom zusammenlebte. Immer wieder ist die Autorin selbst zu sehen und zu hören – in Lesungen und Interviews, die wertvolle Einblicke geben in ihr unnachgiebiges Ringen im Spannungsfeld zwischen öffentlichem Ruhm und existenziellen Krisen sowie um eine eigene, radikale Sprache.
Beirut, heute: Nino führt sein eigenes Restaurant, in dem der liebenswürdige Chaot mit seinem besten Freund innovative Gerichte auf den Teller zaubert. Er ist ein unerschütterlicher Optimist, dessen Einstellung zum Leben aus dem frühen Verlust seiner Eltern entstanden ist. Yasmina hingegen blickt desillusionierter auf eine Realität, die von politischen, wirtschaftlichen und privaten Krisen bestimmt wird. Die vielbeschäftigte Regierungsberaterin steht kurz davor, nach Europa auszuwandern. Als das Schicksal die beiden Kindheitsfreund:innen wieder aufeinandertreffen lässt, ist es schnell um sie geschehen, und Yasmina wirft ihre Pläne über Bord. Doch was als wunderbare Fügung beginnt, wird schon bald von der unsicheren Lebensrealität im Libanon eingeholt: Wie plant man eine stabile Zukunft an einem Ort, dessen Gegenwart ständig ins Wanken gerät? Mit Charme, Humor, emotionaler Tiefe und einer mitreissenden visuellen Energie erzählt Cyril Aris über drei Jahrzehnte hinweg die Geschichte einer grossen Liebe, die zum Spiegel eines Landes zwischen Hoffnung und Ernüchterung wird. Bei seiner Weltpremiere am Filmfestival von Venedig mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, gelingt ihm eine so melancholische wie lebensbejahende Hommage an Beirut und die Kraft der Liebe – und den Mut, trotz aller Unsicherheiten an sie zu glauben.
Ein Tessiner Dorf im Frühsommer 1977: Mario, der 16-jährige Sohn eines Tankwarts und einer Hausfrau, geht im nahen Locarno aufs Gymnasium. Als er bei einer entscheidenden Prüfung versagt, schickt ihn der gestrenge Vater zu einem Bergbauern ins Maggiatal. Hier soll er lernen, was Arbeiten heisst. Zwar beobachten die Bergler:innen den «Becaària» («Faulpelz» im Tessiner Bergdialekt) zunächst voller Misstrauen, doch die Familie von Bauer Belotti, wo Mario wohnt, erweist sich als erstaunlich weltoffen. Und dann ist da auch noch deren schöne Tochter Prisca … Detailverliebt und von einem souverän agierenden Schauspielensemble getragen, hat der Tessiner Regisseur Erik Bernasconi («Sinestesia») den 2011 erschienenen gleichnamigen Roman seines Landsmannes Giorgio Genetelli verfilmt und das Lebensgefühl einer analogen Zeit realer menschlicher Begegnungen in idealer Weise auf die Leinwand gezaubert. Gedreht im Sommer 2024 unter schwierigen Bedingungen im oberen Maggiatal, ist der Film explizit den Opfern der damaligen Unwetterkatastrophe gewidmet. Bei der Weltpremiere an den diesjährigen Solothurner Filmtagen holte «Becaària» den Publikumspreis. Brigitte Häring schwärmt auf SRF: «Ein in warmen, sanften Farbtönen gefilmtes Werk mit einem zugänglichen, sympathischen Hauptdarsteller, das sofort die Herzen des Publikums gewann.»
Als im Sommer 2020 die Arbeit an seinem Film «Misty – The Eroll Garner Story» wegen Corona stockte, erhielt Georges Gachot die Anfrage, eine Probenwoche des Jugendsinfonieorchesters Aargau im Künstlerhaus Alte Kirche Boswil filmisch zu begleiten. Spontan sagte er zu und begann, ohne Vorbereitungen und fixe Vorstellungen zu drehen. Begleitet wurde er nur von seinem langjährigen Tonmeister Balthasar Jucker. Herausgekommen ist ein Film, der die unglaubliche Konzentration und Hingabe der jungen Instrumentalist:innen – alles Amateur:innen – visuell und akustisch hervorragend vermittelt. Dabei erhalten die Jugendlichen viel Raum. Während einige nur musikalisch eloquent sind, beeindrucken andere darüber hinaus auch durch ihre verbalen Fertigkeiten. Mit dem charismatischen Dirigenten Hugo Bollschweiler und dem ungemein witzigen Pianisten Iiro Rantala aus Finnland sind zwei erwachsene Musikerpersönlichkeiten mit von der Partie, deren Enthusiasmus ansteckend wirkt. Bei der Weltpremiere an einem frühen Sonntagvormittag der diesjährigen Solothurner Filmtage wurde «Unisono» mit Standing Ovations gefeiert. Über die Dreharbeiten sagt Georges Gachot: «In meiner Karriere habe ich schon über ein Dutzend Musikfilme realisiert. Aber noch nie habe ich so eine Stimmung erlebt wie bei dieser Probenwoche.»
Der weibliche Körper ist im Laufe des Lebens mehrmals starken hormonellen Veränderungen unterworfen. Wenn Frauen in die Fünfziger kommen, leiden viele an Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gedächtnisproblemen und Erschöpfungszuständen. Rund ein Drittel entwickelt so massive Probleme, dass ihr Arbeits- und Sozialleben davon stark beeinträchtigt ist. Der Gang zu Ärzt:innen bringt meist wenig, da es über die Menopause kaum Erkenntnisse gibt, obwohl die Hälfte der Weltbevölkerung davon betroffen ist. Die Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen nimmt ihre eigene Krise zum Anlass für eine persönliche und wissenschaftliche Reise in das tabuisierte Thema. Sie spricht mit Frauen, für die die Menopause keine blosse hormonelle Veränderung ist, sondern eine existenzielle Verschiebung – körperlich, psychisch, sozial. Und sie reist zu führenden Wissenschaftlerinnen, die Symptome der Wechseljahre mit einem dreifach höheren Alzheimer-Risiko, Depressionen oder einer hohen Selbstmordrate in Zusammenhang bringen. Generationen von Frauen haben still gelitten; erst allmählich werden die gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen deutlich. «Mein neues altes Ich» ist ein wichtiger, erhellender Film, der die Menopause in ein neues Licht rückt, Frauen Mut macht und zeigt, wie dringlich es ist, darüber zu sprechen und mehr Forschung zu Frauengesundheit einzufordern.