Solange Kweku Adoboli für die UBS London Millionen erwirtschaftet, scheint ihm eine goldene Zukunft sicher. Doch als der junge Trader die Verantwortung für einen Verlust von 2,3 Milliarden US-Dollar übernimmt, ändert sich das Narrativ schlagartig. Die so fazinierende wie verstörende Geschichte hinter der Geschichte, die durch die Welt ging.
Der Ghanese Kweku Adoboli machte bei der UBS in London eine steile Karriere als Trader. 2002 als 21-jähriger Praktikant in die Bank eingetreten, war er bereits 2008 Associate Director für Investmentfonds. 2011 wurde er verhaftet – unerlaubte Hochrisikogeschäfte hatten der Bank einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar beschert. 2012 folgte der Prozess, und Adoboli wurde wegen Betrugs und Missachtung der Risikovorschriften verurteilt. Zwar kam er 2015 aus der Haft frei, doch 2018 wurde er nach Ghana abgeschoben. Die Regisseure Bernard Weber und Martin Schilt feierten 2012 mit ihrem Dokumentarfilm «Die Wiesenberger – No Business Like Show Business» einen Grosserfolg, just zu dem Zeitpunkt, als der «Fall Adoboli» in den Medien omnipräsent war. 14 Jahre später ist ihr neues Werk fertig und wird der umjubelte Eröffnungsfilm der diesjährigen Solothurner Filmtage. Der brisante Dokumentarfilm hinterfragt die gängige Darstellung der Geschichte, stellt das Gerichtsverfahren anhand originaler Protokolle nach und befragt eine Vielzahl von Zeug:innen, darunter auch Kweku Adoboli. Stéphane Gobbo schreibt in Le Temps: «Basierend auf Archivaufnahmen, Zeugenaussagen enger Freunde und einer Nachstellung des Prozesses in Ghana bietet dieser aufschlussreiche Dokumentarfilm einen so faszinierenden wie verstörenden Einblick in die Mechanismen des Banken- und Justizsystems.»
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