Auf einer symbolischen Karte erzählen neun palästinensische Geflüchtete von ihrem Leben im Gazastreifen vor dem Krieg und vor ihrer Flucht aus der Hölle. Sie sprechen über ihre tiefe Verbundenheit mit ihrer Heimat. Nicolas Wadimoffs Film ist eine kraftvolle Erzählung von Resilienz und der unermüdlichen Suche nach Leben.
Zu Beginn erfährt man, dass die Aufnahmen ursprünglich in der Schweiz hätten stattfinden sollen. Doch die Behörden verweigerten den neun palästinensischen Flüchtlingen, denen die Ausreise aus der Hölle von Gaza nach Ägypten geglückt war, das Visum. Deshalb musste der Genfer Regisseur Nicolas Wadimoff nach Südafrika ausweichen. In einem Innenraum lässt er seine Protagonist:innen ihr früheres Leben schildern. Sie erzählen von ihrer tiefen Verbundenheit mit ihrer Heimat, ihren Familien und ihren Freund:innen und zeichnen mit Kreide ihre Stadtteile, ihre Häuser und Gegenstände, die ihnen besonders lieb waren, auf den Boden. Entgegen den Bildern von Zerstörung und Tod, mit denen wir seit Monaten täglich konfrontiert sind, setzt Wadimoff ganz auf die Kraft der Erzählung, auf das individuelle Gegenüber, dem sich die Zuschauer:innen nicht entziehen können. Bereits in früheren Filmen wie etwa «Aisheen (Still Alive in Gaza)» (2010) und «L’Apollon de Gaza» (2018) hat er sich mit Gaza und dem Nahostkonflikt auseinandergesetzt. «Qui vit encore» wurde an den diesjährigen Solothurner Filmtagen mit dem höchstdotierten Filmpreis der Schweiz, dem Prix de Soleure, ausgezeichnet. Die Jury schreibt in ihrer Begründung, er schaffe «einen Kontext fernab vom Kriegsschauplatz, um ein besseres Verständnis für die physische Zerstörung und die menschlichen Opfer zu vermitteln».
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