Phantome der Nacht: Only Lovers Left Alive

Jim Jarmusch erfindet das Vampirgenre neu. Adam und Eve sind Liebende durch die Jahrhunderte: kultiviert, empfindsam, cool. Sie haben mit Lord Byron Schach gespielt, Schubert ein Adagio abgetreten und trinken Blut aus kostbaren Kristallgläsern. Hinreissend: Tilda Swinton und Tom Hiddleston als melancholische Nachtgestalten.

Adam und Eve sind Liebende durch die Jahrhunderte. Sie haben mit Lord Byron Schach gespielt, Schubert ein Adagio abgetreten und schlürfen erlesene Blutkonserven aus feinstem Kristall – denn Blutsaugen «ist so 15. Jahrhundert!». Bei Jim Jarmusch sind Vampire keine lüsternen Monster, sondern empfindsame Wesen, hochintelligente Schöngeister, klassische Bohemiens, bewandert in Kunst, Literatur und Wissenschaft. Dieser Tage führen sie eine Fernbeziehung. Adam hat sich als Undergroundmusiker in eine verfallende Villa in Detroit zurückgezogen, wo er an der Ignoranz der Menschheit verzweifelnd seinen Hang zur Depression kultiviert. Eve hat sich in Tanger ein barockes Bücherrefugium erschaffen. Doch als sie spürt, dass ihr lebensmüder Geliebter seiner Unsterblichkeit ein Ende setzen will, bucht sie den nächsten Nachtflug nach Detroit. In opulenten Bildern verkehrt Jim Jarmusch das Vampirgenre zu einem anspielungsreichen Streifzug durch die Kulturgeschichte und zur Kritik an einer Welt, die sich selbst zugrunde richtet. Dabei ist «Only Lovers Left Alive» Klage und Hymne zugleich – auf das Leben und die ewige Liebe. Voll absurder, sanfter Komik entwickelt der Film einen soghaften Rhythmus. Und wenn er nach zwei Stunden endet, wünscht man sich, er würde sich noch ewig so hypnotisch weiterdrehen wie die Vinylplatte zu Beginn.

 

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Mi 21 10 26 / 20:30
Sa 31 10 26 / 21:10
Reservation