Der haitianische Regisseur Raoul Peck zeigt anhand von George Orwells visionärem Roman 1984, dass Lüge ein zentrales Element autokratischer Systeme ist und die Wahrheit zerbrechlicher denn je. Die kühne Collage aus Filmausschnitten und Nachrichtenmaterial liefert eine präzise und äusserst aktuelle Analyse gegenwärtiger Konflikte.
Ein Jahr vor seinem Tod und zwei Jahre nachdem er von London auf die schottische Hebrideninsel Jura übersiedelt war, veröffentlichte Eric Arthur Blair, besser bekannt unter seinem Künstlernamen George Orwell, 1949 sein wohl berühmtestes Werk: den dystopischen Roman 1984. Der Titel ist die Umkehrung des Jahres, in dem Orwell diese düstere Zukunftsvision eines totalitären Überwachungsstaates beendete. 1984 war aber auch eine Fortsetzung von Animal Farm, der Fabel, in der er Erfahrungen verarbeitete, die er 1937 im Spanischen Bürgerkrieg mit dem Stalinismus gemacht hatte. In einer atemlosen Collage aus Archivfotos, Wochenschauen, Spielfilmen, zeitgenössischen Dokumentarfilmen und Reden autoritärer Herrscher und Diktatoren untersucht der haitianische Filmemacher Raoul Peck («I Am Not Your Negro»), wie sehr Orwells Visionen und die Autoritarismen des 20. Jahrhunderts in der Gegenwart widerhallen. Im Zentrum stehen dabei heutige Konflikte, wie etwa der Bürgerkrieg in Myanmar, Russlands Krieg gegen die Ukraine, der US-Krieg gegen den Terror, der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 und der Gaza-Krieg. Manohla Dargis schreibt in der New York Times: «Randvoll bepackt, ein Wirbelsturm an Ideen und Bildern, abwechslungsweise berauschend, belebend, verstörend und bisweilen erschöpfend, ist dies ein Werk von unmittelbarer Dringlichkeit».
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