Macht sich schuldig, wer keinen Widerstand leistet? Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof erkundet in vier Episoden, welchen Preis die Menschen in einem totalitären Staat zahlen müssen, um ihre moralische Integrität zu bewahren. Das Meisterwerk über zivilen Ungehorsam wurde 2020 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.
Ein Vater holt nach seiner Nachtschicht Frau und Tochter ab, um die hilfsbedürftige Grossmutter zu besuchen. Ein Rekrut wird in der Nacht von Gewissensbissen gequält. Ein junger Soldat will um die Hand seiner Freundin anhalten, doch das Treffen wird von der Trauer um einen Freund überschattet. Ein Arzt, der nicht praktizieren darf und zurückgezogen in den Bergen lebt, offenbart seiner Nichte ein Familiengeheimnis. Im vielfach preisgekrönten Film des iranischen Meisterregisseurs Mohammad Rasoulof («The Seed of the Sacred Fig») verdichten sich vier unabhängige Episoden zu einer bild- und wortgewaltigen Meditation über Moral, Schuld und Zivilcourage. Es sind Variationen über die Frage, welchen Preis das Individuum in einem totalitären Regime für den persönlichen Frieden und ein reines Gewissen zu zahlen bereit ist. Daniel Kothenschulte schreibt in der Frankfurter Rundschau: «Ein Monument der Dissidenz! Wie so oft in der speziellen, indirekten Erzählkultur des iranischen Films betritt dieser ungeheuerlich kraftvolle Film zugleich noch eine übergeordnete, allgemeinere Ebene: Rasoulof, der in seinem Heimatland verurteilte Filmemacher, hat ein Meisterwerk über den zivilen Ungehorsam in einer Diktatur gedreht. Noch nie ist einer seiner Filme im eigenen Land gelaufen, vor diesem hier muss sich das Regime besonders fürchten.»
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