In einer Stadt der nahen Zukunft werden die Menschen ermahnt, sich bei Sonnenaufgang nach drinnen zu begeben, weil es draussen zu heiss ist. Die Strassen sind leer, eine Anzeigetafel zeigt 49 Grad an. Das Leben wird vom Tag in die Nacht verlegt. Menschliche Nähe ist rar, und die Einsamkeit treibt seltsame Blüten. Der Endzwanziger Jonah verkörpert gegen Bezahlung Rollen, etwa die eines Sohnes oder eines Freundes. Als ihn die Mutter der neunjährigen Nika beauftragt, den abwesenden Vater des Mädchens zu spielen, wirft ihn diese Simulation allmählich aus der Bahn. Der erste Spielfilm von Jacqueline Zünd, seit 2010 durch drei Dokumentarfilme bekannt geworden, brilliert mit hypnotisch fliessenden Bildern von Kameramann Nikolai von Graevenitz. Gedreht in São Paulo, Genua und Mailand, entfalten sie in diesem dystopischen Drama im Zeichen der Klimaerwärmung ihren ganz besonderen Sog. Mit ruhigen Einstellungen, minimalem Dialog, strenger Bildgestaltung und zurückgenommenem Spiel balanciert die Inszenierung zwischen Suggestion und Apathie. Denise Bucher schreibt in der NZZ: «‹Don’t Let the Sun› ist wunderschön fotografiert. Die Bilder sind oft statisch, als ob die Hitze auch für das Kameraauge jede Bewegung zu anstrengend gemacht hätte. Die Langsamkeit, der Sound und die Farben versetzen einen in einen Zustand, den man Wachtraum nennen könnte.»
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