FENSTER ZUR FILMWELT: VIELFALT, KUNST UND BEGEGNUNGEN IM KINOK.

Das Kinok in St.Gallen ist das grösste Programmkino der Ostschweiz. Mit jährlich über 280 Filmen und 1000 Aufführungen fördert es Filmkunst, Vielfalt und Austausch. Neuheiten und Klassiker, Filmpremieren, Stummfilme mit Live-Musik und Retrospektiven machen das Kinok zu einem Ort lebendiger Filmkultur – ein Kino für besonderes Filmvergnügen.

Öffnungszeiten

Die Kasse ist 45 Minuten vor der ersten Vorstellung und während den Vorführungen besetzt.

Tickets und Reservation

071 245 80 72
Online reservieren

Normal: CHF 17.-
Mitglieder: CHF 12.-
Montagskino: CHF 12.-
Schüler:innen, Lernende, Studierende bis 26 Jahre: CHF 13.-
Kinder bis 12 Jahre: CHF 10.-
IV-Bezüger:innen: CHF 12.-
KulturLegi-Inhaber:innen: CHF 7.-
Mittwochnachmittagskino: CHF 12.- für AHV-Bezüger:innen
Freier Eintritt für Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene (Ausweis N/F/S)
Programm
Couture
Die Regisseurin Maxine Walker soll an der Pariser Fashion Week einen Kurzfilm drehen. Star ihres Films ist die 18-jährige Sudanesin Ada, mit von der Partie ist die Make-up-Artistin Angèle, die von einer Karriere als Schriftstellerin träumt. Mitten im Dreh erhält Maxine eine Brustkrebsdiagnose … Berührendes Drama mit Angelina Jolie, Louis Garrel und Ella Rumpf.

Im Trubel der Pariser Fashion Week kreuzen sich die Wege dreier Frauen: Die amerikanische Regisseurin Maxine soll einen Kurzfilm für eine Fashion Show realisieren, als eine erschütternde Diagnose ihr Leben aus der Bahn wirft. Die südsudanesische Pharmaziestudentin Ada hofft, mit ihrem ersten Modeljob ihrer Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Und die erfahrene Visagistin Angèle verfolgt zwischen hektischen Einsätzen ihren Traum von einer Karriere als Schriftstellerin. Alice Winocour blickt hinter die glamouröse Fassade des Modebetriebs und erzählt mit grosser Sensibilität von Verletzlichkeit, Selbstbestimmung und weiblicher Solidarität. Gedreht an Originalschauplätzen der Pariser Modewelt und getragen von einem herausragenden Ensemble verbindet «Couture» die Hektik der Fashion Week mit stillen Momenten existenzieller Entscheidungen. arttv lobt: «Im Zentrum steht jedoch Angelina Jolie. Ihre Darstellung einer Frau, die zwischen beruflichen Verpflichtungen und einer lebensverändernden Diagnose ihren Halt sucht, gehört zu den stärksten Momenten des Films. Die Rolle erhält zusätzliche Tiefe durch Jolies eigene Erfahrungen mit dem Thema Brustkrebs, die in ihrer zurückhaltenden, verletzlichen Interpretation spürbar werden. Winocour gelingt es, aus den einzelnen Lebenswegen ein berührendes Mosaik weiblicher Erfahrungen zu formen.»

 

La Vénus électrique
Der Maler Antoine steckt seit dem Tod seiner Frau in einer Schaffenskrise. Über eine Hellseherin versucht er, mit ihr in Kontakt zu treten. Doch statt mit dem Medium spricht er mit Suzanne, einer bescheidenen Jahrmarktsmitarbeiterin … Die mit Pio Marmaï und Anaïs Demoustier hochkarätig besetzte Komödie eröffnete als charmantes Lustspiel die Filmfestspiele von Cannes.

Paris, 1928. Der Schausteller Titus nutzt die mittellose Suzanne als Jahrmarktattraktion «Vénus électrique» aus. Männer dürfen sie auf der Bühne küssen, während Strom durch ihren Körper fliesst. So sollen sie den Kitzel der Liebe verspüren. Eines Tages lernt Suzanne den unglücklichen Maler Antoine kennen, der seit dem Tod seiner Frau Irène nicht mehr malt – sehr zum Ärger seines Galeristen Armand. Suzanne schafft es, Antoine zu überzeugen, dass sie als Medium mit Irène Kontakt aufnehmen könne. Der Betrug funktioniert, weil Suzanne auch Armand kennenlernt, der einiges über die Tote weiss. Antoine beginnt wieder zu malen und vertraut Suzanne so sehr, dass er sie zu sich nach Hause einlädt. Als sie dort Irènes Tagebuch findet, verliebt sie sich in Antoine und wird zum Sprachrohr ihrer verstorbenen Rivalin … Pierre Salvadoris amüsantes Lustspiel eröffnete das diesjährige Filmfestival in Cannes. Laurent Cambon schreibt auf aVoir-aLire: «Der Reiz des Films besteht darin, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Pierre Salvadori erschafft ein charmantes Universum, in dem die Realität mit dem Schwindel verschmilzt.» Und RTS lobt: «Als eine Art romantische Tragikomödie, die von Täuschungen, Heuchelei und Illusionen geprägt ist, besticht ‹La Vénus électrique› von Anfang an durch seine so virtuose wie fesselnde Handlungsführung.»

 

Tristan Forever
Der Pariser Arzt Loran Bonnardot will sich auf der abgelegensten bewohnten Insel der Welt niederlassen: der mitten im Atlantik gelegenen Vulkaninsel Tristan da Cunha. Mit grossartigen Bildern erzählt Regisseur Tobias Nölle von den Herausforderungen und Träumen seines Protagonisten, der die Insel seit 30 Jahren kennt, und reist an einen utopisch anmutenden Ort.

Tristan da Cunha ist der abgelegenste bewohnte Ort auf unserem Planeten. Nur 233 Menschen leben auf der 180 Quadratkilometer kleinen, zu Grossbritannien gehörenden Insel im Südatlantik, auf halbem Weg zwischen der Südwestspitze Südafrikas und der brasilianischen Hafenstadt Cabo Frio. Dorthin beträgt die Distanz 3200 Kilometer, zum nächstgelegenen südafrikanischen Hafen sind es «nur» 2800 Kilometer. Als einzige regelmässige Verbindung fährt von dort zehn Mal im Jahr ein Schiff zur Insel, die wegen ihrer gebirgigen, von einem Vulkan gekrönten Topografie über keinen Flugplatz verfügt. Der Pariser Arzt Loran Bonnardot hat Tristan da Cunha seit 1996 regelmässig besucht, die überwältigende Flora und Fauna der Insel erkundet und sich mit einem Fischer angefreundet. Infolge einer persönlichen Krise beschliesst er, endgültig auf die Insel zu ziehen. Er verschifft seinen Hausrat – darunter auch ein Klavier – und erreicht nach sechstägiger Reise durch die stürmische See sein neues Zuhause. Doch es ist kein leichtes Unterfangen, von den Einheimischen als Dauergast akzeptiert zu werden. Gekonnt pendelt Tobias Nölles’ hybrides Werk zwischen Realität und Fiktion, zeigt das verlockend entrückte Leben auf einem Aussenposten der Zivilisation – und erinnert doch daran, dass man inneren Schmerzen auch an abgelegensten Orten nicht entkommen kann.

 

Cinque secondi
Der eigenbrötlerische Adriano lebt zurückgezogen in der verlassenen Villa Guelfi. Als sich eine Gruppe junger Frauen und Männer dort niederlässt, will er sie umgehend vertreiben … Paolo Virzì erzählt eine berührende Geschichte über Einsamkeit, Fürsorge und Freundschaft, brillant gespielt von Valerio Mastandrea, Valeria Bruni Tedeschi und Galatéa Bellugi.

Adriano, ein wortkarger Einzelgänger, lebt zurückgezogen in den ehemaligen Stallungen der Villa Guelfi, einem verlassenen Anwesen in der Toskana. Als sich eine Gruppe junger Frauen und Männer in der Villa niederlässt, um sich um die Felder und Weinberge zu kümmern, fühlt er sich gestört und will sie vertreiben. Doch die frischgebackenen Absolvent:innen der Agrarwissenschaften, Klimaforschung und Önologie – unter ihnen Matilde, die Enkelin des letzten Grafen Guelfi – lassen sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Zudem sind sie neugierig, was den geheimnisvollen Sonderling veranlasste, ein Leben in solcher Abgeschiedenheit zu führen. Durch Matilde und ihre Schwangerschaft wandelt sich Adrianos Feindseligkeit bald in väterliche Fürsorge, der anfängliche Konflikt in ein freundschaftliches Zusammenleben. Erneut beweist Regisseur Paolo Virzì («La pazza gioia») sein Geschick, ernste Themen mit heiteren Momenten zu verweben. Giorgio Maria Aloi schreibt im Madmass Magazine: «Der Film wirkt wie ein Akt des behutsamen Widerstands in einer Zeit, in der die vielen Krisen die Gesellschaft zu polarisieren drohen. (…) Ein Entwurf für ein mögliches Zusammenleben und die Hoffnung auf den Dialog zwischen den Generationen sowie eine Reflexion darüber, was es bedeutet, sich umeinander zu kümmern – mit der Perspektive auf Heilung und einen Neuanfang.»

 

Soudain
Als Leiterin einer Senior:innenresidenz führt Marie-Lou eine neue Pflegephilosophie ein, die auf Zuhören und Würde basiert. Ihre Begegnung mit der krebskranken Regisseurin Mari verändert alles. Durch ihre Freundschaft wird das Unmögliche möglich … Ryūsuke Hamaguchi ist ein berührendes Drama über Fürsorge, Verlust und die kostbaren Momente im Leben geglückt.

Marie-Lou leitet in Paris ein Pflegeheim für Menschen mit Demenz. Mit viel Engagement führt sie eine neue Pflegemethode ein. Diese zeigt erste Erfolge, stellt das Pflegeteam jedoch vor grosse Herausforderungen, weshalb das Projekt auch auf Kritik stösst. Eines Tages lernt Marie-Lou die Japanerin Mari kennen und besucht eine Aufführung ihres Theaterstücks. Aufgewühlt von den darin zur Sprache kommenden Themen fühlt sie sich der krebskranken Regisseurin zutiefst verbunden. Die beiden verbringen eine Nacht mit intensiven Gesprächen. Über die innige Verbindung zweier Frauen, die trotz unterschiedlicher Lebensrealitäten ähnliche Fragen nach Würde, Fürsorge und Vergänglichkeit beschäftigen, entwickelt Regisseur Ryūsuke Hamaguchi («Drive My Car») einen intensiven Dialogfilm von grosser Sogkraft. Der vom Briefwechsel zwischen der Philosophin Makiko Miyano und der Anthropologin Maho Isono inspirierte Film berührt mit seinem lebensbejahenden Kern sowie den in Cannes preisgekrönten Hauptdarstellerinnen. «Nach 3 Stunden und 15 Minuten kommt man ganz leichtfüssig und voller Hoffnung aus dem Kino», lobt Filmstarts. Auch die WOZ ist begeistert: «Hamaguchi greift eines der zentralen Themen unserer Zeit auf: unseren Umgang mit Menschen, die ‹nicht mehr bei Verstand› sind. Er macht daraus ein berührendes Drama über Empathie und menschliche Fragilität.»

 

Der Frosch und das Wasser
Für Abenteuer ist in Buschis Alltag in einer betreuten Wohngemeinschaft kein Platz. Doch eines Tages nimmt sein Leben eine schicksalhafte Wendung: Ohne zu zögern, schliesst sich der junge Mann mit Trisomie 21 einer japanischen Reisegruppe an. Märchenhaftes Buddy-Roadmovie von Deutschland über Bern bis nach Japan.

Stefan Busch, von allen nur Buschi genannt, lebt in einer betreuten Wohngruppe in Köln. Wasser zieht ihn magisch an, doch weil er nicht schwimmen kann, darf er nicht mit ins Schwimmbad. Überhaupt hält der Alltag für den jungen Mann mit Trisomie 21 wenig Abenteuerliches bereit. Das ändert sich schlagartig, als sich Buschi bei einem Ausflug spontan einer japanischen Reisegruppe anschliesst und mit in den Reisebus steigt. Er quetscht sich auf den einzigen freien Sitz neben dem schweigsamen Hideo Kitamura. So beginnt die wunderbare Freundschaft zweier Aussenseiter, verpackt in ein herzerwärmendes Roadmovie, das von Deutschland zum Rheinfall über Bern bis nach Japan führt. Auch in seinem fünften Spielfilm erweist sich Thomas Stuber («In den Gängen») als sensibler Beobachter. In sinnlich-meditativen Bildern erzählt er die märchenhaft anmutende Geschichte zweier Aussenseiter, deren gegenseitige Verbundenheit ganz ohne Sprache auskommt. Hauptdarsteller Aladdin Detlefsen ist seit mehr als 20 Jahren in einem inklusiven Bremer Ensemble als Schauspieler aktiv und begeistert nun in seiner ersten Kinohauptrolle. Britta Schmeis schreibt in epd Film: «‹Der Frosch und das Wasser› ist ein wunderschöner Film, der etwas Zeit braucht und dann mit voller emotionaler Wucht zuschlägt.»

 

The New Female Gaze: Die My Love
Isoliert im ländlichen Amerika, droht eine junge Mutter, zwischen Liebe und Wahnsinn zu zerrreissen, und gleitet immer weiter in einen Ausnahmezustand ab. Lynne Ramsays radikaler Psychothriller mit Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Sissy Spacek und Nick Nolte zeigt die Komplexität von Liebe, Verletzlichkeit, Schönheit und Schmerz.

Grace und Jackson, zwei frei denkende Künstlernaturen, ziehen in ein abgelegenes Haus auf dem Land, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Doch so stimulierend die selbstgewählte Einsamkeit anfangs auf das junge Paar wirkt – als ihr erstes Kind zur Welt kommt und Jackson arbeitshalber immer öfter unterwegs ist, brauen sich in Grace Gefühle der Isolation, Eifersucht und Verzweiflung zu einer explosiven Mischung zusammen, die sich in einem zunehmend erratischen Verhalten entlädt … Mit einer fulminanten Jennifer Lawrence in der Hauptrolle gelingt Regisseurin Lynne Ramsay ein formal wie thematisch hemmungslos radikales Porträt einer Frau, die zwischen Liebe und Wahnsinn zu zerreissen droht. Michael Meyns schreibt auf Programmkino: «Hätte ein Mann diesen Film gedreht, würde man ihm vorhalten, sich am zunehmend labilen Zustand einer langsam in eine Psychose abdriftenden Frau zu laben. Unter der Regie von Lynne Ramsay wirkt ‹Die My Love› jedoch bei allem Exzess wie ein sensibler, zunehmend tragischer Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich vehement den von Männern gemachten Konventionen widersetzt. Dass es am Ende die Regisseurin selbst ist, die eine wunderbar sanfte Version des legendären Joy-Divison-Songs Love Will Tear Us Apart singt, bringt die Intentionen dieses oft anstrengenden, aber ebenso mitreissenden Films auf den Punkt.»

 

Becaària
1977, in einem kleinen Dorf im Tessin: Wegen schlechter Noten wird der 16-jährige Mario von seinem Vater auf einen Bergbauernhof geschickt, wo er lernen soll, was Arbeit bedeutet. Dort macht er Erfahrungen, die ihn nachhaltig verändern. Ein zauberhaft nostalgischer Sommerfilm mit eindrucksvollen Naturbildern und einem mitreissenden italienischen Soundtrack.

Ein Tessiner Dorf im Frühsommer 1977: Mario, der 16-jährige Sohn eines Tankwarts und einer Hausfrau, geht im nahen Locarno aufs Gymnasium. Als er bei einer entscheidenden Prüfung versagt, schickt ihn der gestrenge Vater zu einem Bergbauern ins Maggiatal. Hier soll er lernen, was Arbeiten heisst. Zwar beobachten die Bergler:innen den «Becaària» («Faulpelz» im Tessiner Bergdialekt) zunächst voller Misstrauen, doch die Familie von Bauer Belotti, wo Mario wohnt, erweist sich als erstaunlich weltoffen. Und dann ist da auch noch deren schöne Tochter Prisca … Detailverliebt und von einem souverän agierenden Schauspielensemble getragen, hat der Tessiner Regisseur Erik Bernasconi («Sinestesia») den 2011 erschienenen gleichnamigen Roman seines Landsmannes Giorgio Genetelli verfilmt und das Lebensgefühl einer analogen Zeit realer menschlicher Begegnungen in idealer Weise auf die Leinwand gezaubert. Gedreht im Sommer 2024 unter schwierigen Bedingungen im oberen Maggiatal, ist der Film explizit den Opfern der damaligen Unwetterkatastrophe gewidmet. Bei der Weltpremiere an den diesjährigen Solothurner Filmtagen holte «Becaària» den Publikumspreis. Brigitte Häring schwärmt auf SRF: «Ein in warmen, sanften Farbtönen gefilmtes Werk mit einem zugänglichen, sympathischen Hauptdarsteller, das sofort die Herzen des Publikums gewann.»

 

Late Fame
Ed Saxberger arbeitet seit Jahrzehnten bei der New Yorker Post. Sein Leben erhält neuen Schwung, als ein junger Mann ihn als gefeierten Dichter eines Gedichtbands aus den 1970er-Jahren erkennt … Melancholische Verfilmung von Arthur Schnitzlers Novelle Später Ruhm mit einem beeindruckenden Willem Dafoe.

Ed Saxberger arbeitet als Briefsortierer bei der New Yorker Post und führt ein unaufgeregtes, zufriedenes Leben. Als junger Mann veröffentlichte er in der vibrierenden Atmosphäre der 1970er-Jahre einen vielbeachteten Gedichtband, hat seine literarischen Ambitionen jedoch längst hinter sich gelassen. Als eine Gruppe junger Literaturbegeisterter sein vergessenes Werk wiederentdeckt, ihn ausfindig macht und als poetisches Genie feiert, weiss Ed kaum, wie ihm geschieht. Geschmeichelt von der unerwarteten Aufmerksamkeit und angezogen von der charismatischen Schauspielerin Gloria glaubt er für einen Moment selbst an einen zweiten Frühling als Schriftsteller. Mit feinem Gespür für Zwischentöne erzählt Regisseur Kent Jones von der verführerischen Kraft verspäteter Anerkennung und verlegt Arthur Schnitzlers gleichnamige Novelle ins heutige New York. Entstanden ist eine kluge, melancholische Tragikomödie über Kunst und Selbsttäuschung, aber auch über den tiefen Wunsch, gesehen zu werden. Willem Dafoe berührt mit einer wunderbar zurückgenommenen Darstellung und lässt Greta Lee und Edmund Donovan als nostalgische Idealist:innen brillieren, die dem kreativen Geist einer vergangenen Ära nacheifern. The Hollywood Reporter schwärmt: «Als Satire auf künstlerische Anmassungen und zugleich fesselnde Charakterstudie besticht ‹Late Fame› durch Tiefgang und exquisite Anmut.»

 

Sie glauben an Engel, Herr Drowak?
Die lebensfrohe Studentin Lena glaubt fest an das Glück und das Gute im Menschen. Sie wird als Schreibtrainerin zu Hugo Drowak geschickt, der allein in einem heruntergekommenen Hochhaus lebt … Nicolas Steiners Film mit Luna Wedler beeindruckt mit wuchtigen Schwarz-Weiss-Bildern, surrealen Einfällen und schwarzem Humor.

Der Alkoholiker Drowak vegetiert verbittert in einer verwahrlosten Hochhauswohnung dahin. Eines Tages besucht ihn der Sozialarbeiter Marlon in Begleitung der Studentin Lena. Die junge Frau soll Drowak mit einem Kurs für kreatives Schreiben aus seiner Lethargie locken. Drowak lehnt den Vorschlag empört ab und beschimpft die beiden vulgär. Als Marlon mit der Kündigung der Wohnung droht und nachschiebt: «Dann kannst du dich wieder auf der Strasse in deiner Kotze suhlen», widerspricht dieser: «Das war nicht meine Kotze, sondern ein perverser Engel kotzte auf mich herab.» Lena ist begeistert … Nicolas Steiners verspieltes Spielfilmdebüt ist eine Art «Amélie» in Schwarz-Weiss. Mit einer grandiosen Luna Wedler in einer ihrer charmantesten Rollen und einem hinreissenden Karl Markovics als Kotzbrocken mit grossem Herzen beginnt eine schwarzhumorige Reise durch einen surreal angehauchten urbanen Kosmos. Joachim Kurz schreibt auf Kino-Zeit: «Nicolas Steiner ist hier eine echte Wundertüte gelungen, voller entzückender Ideen, anrührender Charaktere und einer Botschaft, die direkten Bezug auf unsere Gesellschaft nimmt: Der Film ist ein flammendes Plädoyer für Empathie und eine energische Aufforderung, Menschen, die aus dem System gefallen sind, nicht einfach zu vergessen.»

 

The New Female Gaze: The Chronology of Water
Kristen Stewarts kühnes Regiedebüt nach Lidia Yuknavitchs autobiografischem Kultbuch erzählt die von Gewalt, Zweifeln und Selbstzerstörung geprägte Lebensgeschichte der einstigen Schwimmerin und Olympiahoffnung. Der furiose Trip mit der intensiv agierenden Imogen Poots erzählt eigenwillig, bruchstückhaft und einfühlsam von Missbrauch, Sucht und Kindstod.

Lidia wächst in einem von Gewalt und Alkohol geprägten Elternhaus im Oregon der 1970er-Jahre auf. Ein College-Stipendium ermöglicht der talentierten Schwimmerin die Flucht. Doch das Trauma des Missbrauchs lässt sie auch in der neuen Freiheit nicht los; sie verliert sich in Drogen und toxischen Beziehungen. Erst über die Literatur und vor allem durch das Schreiben findet sie schliesslich zu sich selbst. Kristen Stewarts beeindruckendes Regiedebüt «The Chronology of Water» ist eine kongeniale Adaption des 2011 erschienenen Memoirs der amerikanischen Autorin Lidia Yuknavitch, das in den USA zum queeren Kultbuch avancierte. Acht Jahre lang kämpfte Stewart, die als vehemente Kritikerin des männerdominierten Hollywood-Systems kein Blatt vor den Mund nimmt, für die Realisierung ihres Films, der 2025 in Cannes Weltpremiere feierte. Valerie Dirk schreibt in Der Standard: «Sowohl inhaltlich als auch formal-ästhetisch ist der Film ein Ereignis: ein hypnotisches, aus Analogfilm geflochtenes Gewebe, fast schon ein Experimentalfilm, dem es dennoch gelingt, klare Erzählfäden zu finden. Zusammengehalten wird das durch die Hauptdarstellerin Imogen Poots, die eine unbändige körperliche Kraft auf die Leinwand wirft. Ihr möchte man folgen, vom blutigen Fliesenboden, ins Schwimmbecken, durch den Rausch, bis hin in die instabile Stabilität.»

 

Fremd: Films for future

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Le città di pianura
Zwei lebensfrohe, mittellose Freunde nehmen einen schüchternen Studenten mit auf eine irrwitzige Reise durch Venetien. Zwischen Zufallsbegegnungen, Alkohol und Melancholie entsteht eine bittersüsse Komödie über Freundschaft, Einsamkeit und eine Provinz im Wandel, die in Italien zum Publikumshit wurde.

Die beiden mittellosen Fünfzigjährigen Carlobianchi und Doriano sind Freunde, die sich so optimistisch wie listig durch alkoholgetränkte Tage manövrieren. Stets mit dem Ziel, noch ein letztes Glas zu trinken. Eigentlich sind sie zum Flughafen unterwegs, um ihren alten Freund Genio abzuholen, der lange in Argentinien gelebt hat. Eilig haben sie es jedoch nicht. Als sie bei einer Studentenfeier auf den schüchternen Architekturstudenten Giulio treffen, nehmen die kontaktfreudigen Saufkumpane ihn unter ihre Fittiche. Giulio will eigentlich nur nach Hause, um für eine Prüfung zu büffeln, doch ihrer Hartnäckigkeit entkommt er nicht. Auf ihrem Roadtrip durch Venetien erlebt das ungleiche Trio kuriose Zufallsbegegnungen und abenteuerliche Momente. Die bittersüsse Komödie «Le città di pianura» war in Italien ein Publikumshit und gewann dieses Jahr sechs David-di-Donatello-Preise, darunter für den besten Film und die beste Regie. Francesca Nobili schreibt auf CineFacts, Francesco Sossai habe «einen der interessantesten italienischen Filme des Jahres inszeniert. Die Reflexion über das heutige Venetien, über eine Provinz im Wandel, spricht direkt die Gegenwart an. Einsamkeit und urbane oder halbländliche Entfremdung treten deutlich zutage und geben Orten und Menschen eine Stimme, die vom Mainstream-Kino oft vergessen werden.»

 

Bruno Ganz in Buch und Film: Dans la ville blanche
Der Seemann Paul verlässt in Lissabon sein Schiff, kauft sich eine Kamera und streift durch die Stadt. Er verliebt sich in Rosa, die in einer Bar arbeitet, und denkt an seine alte Liebe Elisa, die in Basel auf ihn wartet. Alain Tanners betörender Lissabon-Film, dem der junge Bruno Ganz seinen Stempel aufdrückt, zeichnet nonchalant das Porträt eines Mannes am Scheideweg.

Nach seinen Kinoerfolgen – von «La Salamandre» bis hin zu «Jonas qui aura 25 ans en l’an 2000» – erhielt der Genfer Alain Tanner 1982 von einem portugiesischen Produzenten den Auftrag, einen Film in Lissabon zu drehen. Er hatte volle künstlerische Freiheit und konnte seiner Kreativität freien Lauf lassen. So entstand «Dans la ville blanche», eine der schönsten Verneigungen vor der Stadt am Tejo und vor dem Schauspieler Bruno Ganz. Dieser spielt einen Matrosen, der an Land geht, aus dem eigenen Lebensrhythmus aussteigt, sich verliebt und in die Stadt eintaucht. Lissabon, spontanes Kino, das aus dem Moment heraus entsteht, ohne Drehbuch, sechs Wochen Drehzeit: Bruno Ganz lässt sich auf das Experiment mit dem von ihm hochgeschätzten Regisseur ein, der seinerseits diesen Film nur mit Bruno Ganz drehen wollte. Was den Schauspieler fasziniert und was er nur von wenigen Rollen her kennt, ist die absolute Offenheit, mit der ein Autor an seine Erzählung herangehen kann. Das Drehen wird dabei Teil des Schreibens und Entwickelns der Handlung sowie der Figuren. – Zum Film, der zu Bruno Ganz’ Lieblingsfilmen gehörte, gibt es eine kurze Einstimmung und anschliessend ein Gespräch mit dem Zürcher Publizisten Walter Ruggle, der mit «Schau Spiel Bruno Ganz» das erste Buch über den herausragenden Schweizer Schauspieler geschrieben hat und es am Abend vorstellt. 

 

À bicyclette!
Auf den Spuren seines verstorbenen Sohnes radelt Mathias mit seinem Freund Philippe vom Atlantik bis ans Schwarze Meer. Das autobiografisch inspirierte Roadmovie um zwei beste Freunde erzählt voller Wärme, Witz und Menschlichkeit von Lebensfreude, Trauer und der heilenden Kraft des Unterwegsseins. In Frankreich avancierte der Film zum Publikumsliebling.

Mathias bricht mit seinem besten Freund Philippe und seinem stoischen Foxterrier Lucky zu einer Velotour auf, die sie von La Rochelle bis nach Istanbul führen soll. Sie folgen der Route, die Mathias’ tragisch verstorbener Sohn Youri einige Jahre zuvor zurückgelegt hat. Was als leise Trauerbewältigung beginnt, entwickelt sich zu einem überraschend heiteren Abenteuer voller unerwarteter Begegnungen. Dokumentarfilm? Spielfilm? «À bicyclette!» ist eine zutiefst persönliche Arbeit, in der der Schauspieler Mathias Mlekuz in Form eines fiktionalisierten Roadmovies den Tod seines Sohnes verarbeitet. An der Seite von Philippe Rebbot spielt er nicht nur die Hauptrolle, gemeinsam haben sie auch das Drehbuch verfasst. Die Geschichte einer nachgetragenen Liebe und einer anrührenden Männerfreundschaft, die «mühelos zwischen feiner Situationskomik und Ernst, Melancholie und tröstlicher Freude balanciert» (Votivkino), hat das Publikum in Frankreich und der Romandie begeistert. Für Le Figaro war es «Liebe auf den ersten Blick», und Le Parisien schwärmte: «Dieser Film feiert die Liebe zum Leben, selbst in seinen schmerzhaftesten Momenten. Mit diesen beiden Männern könnte man sich sofort anfreunden. Jeder kann sich glücklich schätzen, den anderen an seiner Seite zu wissen. Und wir können uns glücklich schätzen, ihnen auf der grossen Leinwand zu begegnen.»

 

Laundry
Südafrika, 1968: Khuthala will nichts mit der Wäscherei seiner Familie zu tun haben und träumt von einer Karriere als Jazzmusiker. Als sein Vater verhaftet und brutal zusammengeschlagen wird, trifft Khuthala eine folgenschwere Entscheidung, um ihn zu retten … Die berührende Coming-of-Age-Geschichte erzählt von Musik und dem Kampf gegen die Apartheid.

Johannesburg, 1968. Die schwarze Bevölkerung wird vom Apartheid-Regime drangsaliert. Enoch ist der Besitzer einer Wäscherei, die er mit seiner Familie erfolgreich in einem weissen Viertel führt. Sein 16-jähriger Sohn Khuthala soll den Betrieb eines Tages übernehmen, doch der träumt von einer Karriere als Jazzmusiker im Ausland mit der Band der Sängerin Lilian. Enoch steht unter Druck, denn für die Weiterführung der Wäscherei muss er die Sondergenehmigung erneuern – eine Unterschrift fehlt noch. Die Schikanen der Behörden werden zunehmend unerträglich. Enoch wird verhaftet und brutal zusammengeschlagen. Um seinen Vater zu retten, lässt sich Khuthala auf einen zweifelhaften Deal ein – mit fatalen Folgen für alle Beteiligten. «Laundry» ist das von ihrer Kindheit inspirierte Spielfilmdebüt der südafrikanischen Regisseurin Zamo Mkhwanazi. «Die Zerstörung menschlichen Potenzials ist eine der grössten Ungerechtigkeiten und macht sichtbar, wie Träume ausgelöscht werden», sagt die Regisseurin und betont, dass Anti-Apartheid-Ikonen wie Nelson Mandela die Welt glauben machen, die Apartheid sei überwunden, während der Grossteil der Bevölkerung bis heute unter den Folgen leide. Neben den hervorragenden Darsteller:innen überzeugt der Soundtrack der in Zürich wohnhaften südafrikanischen Musikerin Tracy September – grossartig als Sängerin Lilian.

 

Napoli – New York
Um der Armut zu entfliehen, reisen zwei neapolitanische Kinder 1949 als blinde Passagiere auf einem Schiff nach New York. Basierend auf einem frühen Drehbuch von Federico Fellini und Tullio Pinelli, erzählt Gabriele Salvatores eine märchenhafte, oft komödiantische Migrationsgeschichte aus Kinderperspektive.

Neapel, 1949: Eine Blindgängerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert und bringt ein Haus zum Einsturz. Unter den Opfern ist die Tante der zehnjährigen Celestina, die nun ganz auf sich allein gestellt ist. Zusammen mit dem zwei Jahre älteren Strassenjungen Carmine versucht sie, sich durch den von Armut geprägten Alltag zu schlagen. Celestina hat eine ältere Schwester, die vor Jahren nach New York ausgewandert ist. Doch wie soll sie die Überfahrt nach Amerika bezahlen? Da lernen die beiden Kinder George kennen, der als Koch auf dem US-Marineschiff «Victory» arbeitet. Sie folgen ihm heimlich an Bord und werden zu blinden Passagieren auf ihrer Reise nach New York. Basierend auf einem frühen Drehbuch von Federico Fellini und Tullio Pinelli, erzählt Gabriele Salvatores eine visuell eindrucksvolle, märchenhafte und oft komödiantische Migrationsgeschichte aus Kinderperspektive. «In gewisser Weise ist es eine typische Geschichte, die von vielen unserer Vorfahren erlebt wurde: die Ankunft in den Vereinigten Staaten ohne Mittel oder materiellen Reichtum, aber voller Hoffnung, innerer Stärke und Unternehmungsgeist», schreibt Andrea Moschioni Fioretti auf cinefacts.it.

 

Un poeta
In Medellín schöpft ein gescheiterter Dichter, der bei seiner Mutter lebt, dank einer talentierten Schülerin neue Hoffnung und wird zu ihrem Mentor. Aber darf er sie in eine Welt einführen, die ihn so enttäuscht hat? Die so warmherzige wie scharfzüngige Tragikomödie erzählt von Ehrgeiz, Scheitern und der Bedeutung von Kunst und entpuppte sich als Festivalüberraschungshit.

Óscars Besessenheit von der Poesie hat ihm keinen Ruhm eingebracht. Er ist zum lebenden Klischee des erfolglosen Dichters geworden: Nach der Scheidung lebt der mittellose Mittfünfziger wieder bei seiner Mutter und schleppt sich mit Alkohol und Selbstmitleid durch die Tage. Seine Tochter will mit ihm wenig zu tun haben. Als er widerwillig einen Lehrerjob annimmt, entdeckt er das aussergewöhnliche Talent einer Schülerin, deren Gedichte ihn tief berühren. In der Förderung der jungen Frau aus einfachsten Verhältnissen sieht Óscar seine vielleicht letzte Chance, der Poesie – und seinem eigenen Leben – noch einmal Bedeutung zu verleihen … Mit feinem Gespür für die Tragikomik des Scheiterns gelingt Simón Mesa Soto ein so humorvolles wie scharfzüngiges Charakterporträt und eine kluge Reflexion über Kunst, Anerkennung und soziale Herkunft. «Mit ‹Un poeta› habe er seine eigenen Fehler, Zweifel und Widersprüche porträtieren wollen, erklärt Mesa Soto. Für ihn, der selbst im Nebenberuf unterrichtet, sei der auf körnigem 16mm-Material gedrehte und damit auf charmante Weise unperfekt wirkende Film sein ‹persönlicher Exorzismus›. (...) Sein zutiefst humaner Film, der auch von der Schwierigkeit kreativer Arbeit in der kolumbianischen Klassengesellschaft erzählt, ist ein einziges berührendes und beglückendes Langgedicht», schwärmt Katrin Hillgruber auf artechock.

 

Salvation
Zwischen zwei Dörfern in der berückenden Landschaft Ostanatoliens flammt eine alte Fehde um Land und Macht neu auf, als ein verbannter Clan zurückkehrt. Emin Alpers vielschichtiger Thriller zeigt, wie Populismus Gemeinschaften radikalisiert, und warnt vor der «Rhetorik des starken Mannes». Gewinner Silberner Bär Berlinale 2026.

Zwei ostanatolische Dorfgemeinschaften sind durch eine alte Fehde zweier rivalisierender Clans um Macht und Land tief gespalten. Die Hazeran bewohnen das obere Dorf, während die Bezari einst im Tal lebten, bevor sie ins Exil getrieben wurden. Mit der Rückkehr der Bezari flammt der Konflikt neu auf. Während Scheich Ferit, das Oberhaupt der Hazeran, für Koexistenz plädiert, stellt sein Bruder Mesut, der von unheimlichen Visionen heimgesucht wird, dessen Führungsrolle immer mehr infrage. Mesut deutet seine Albträume als göttliche Zeichen und beginnt, die Dorfgemeinschaft gegen die Rückkehrer:innen aufzuhetzen. Mit «Salvation» schafft der preisgekrönte türkische Regisseur und studierte Historiker Emin Alper eine packende politische Allegorie, die ebenso Thriller wie Parabel ist, eingebettet in visuell atemraubende Schauplätze zwischen weiten Berglandschaften von epischer Schönheit und dem labyrinthischen Dorf der Hazeran. Das vielschichtige Werk – ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären in Berlin – entlarvt schonungslos, wie Fake News, populistische Rhetorik und religiöser Fanatismus eine Gesellschaft radikalisieren können. Simon Eberhard schreibt auf Outnow: «Ein eindrückliches und leider unangenehm aktuelles Zeugnis dessen, was passieren kann, wenn wir uns von Rationalität und Besonnenheit verabschieden.»

 

Unisono – Von der Liebe zur Musik
Junge Schweizer Musiker:innen bei Proben, bei ihrer Suche nach Inspiration und ihren Überlegungen, wie man heute klassische Musik spielen soll. Regisseur Georges Gachot fängt die elektrisierende Energie des Schweizer Jugend-Sinfonieorchesters Aargau ein, das traditionellen Kompositionen neues Leben einhaucht.

Als im Sommer 2020 die Arbeit an seinem Film «Misty – The Eroll Garner Story» wegen Corona stockte, erhielt Georges Gachot die Anfrage, eine Probenwoche des Jugendsinfonieorchesters Aargau im Künstlerhaus Alte Kirche Boswil filmisch zu begleiten. Spontan sagte er zu und begann, ohne Vorbereitungen und fixe Vorstellungen zu drehen. Begleitet wurde er nur von seinem langjährigen Tonmeister Balthasar Jucker. Herausgekommen ist ein Film, der die unglaubliche Konzentration und Hingabe der jungen Instrumentalist:innen – alles Amateur:innen – visuell und akustisch hervorragend vermittelt. Dabei erhalten die Jugendlichen viel Raum. Während einige nur musikalisch eloquent sind, beeindrucken andere darüber hinaus auch durch ihre verbalen Fertigkeiten. Mit dem charismatischen Dirigenten Hugo Bollschweiler und dem ungemein witzigen Pianisten Iiro Rantala aus Finnland sind zwei erwachsene Musikerpersönlichkeiten mit von der Partie, deren Enthusiasmus ansteckend wirkt. Bei der Weltpremiere an einem frühen Sonntagvormittag der diesjährigen Solothurner Filmtage wurde «Unisono» mit Standing Ovations gefeiert. Über die Dreharbeiten sagt Georges Gachot: «In meiner Karriere habe ich schon über ein Dutzend Musikfilme realisiert. Aber noch nie habe ich so eine Stimmung erlebt wie bei dieser Probenwoche.»

 

Kinderfilme: Edgar, das Super-Karibu
Das nordamerikanische Rentier ist der Superman der Tiere. Edgar hat alles, was ein Held so braucht: einen Superhelden-Anzug, einen coolen Umhang, eine Maske und ein supergrosses Herz für alle, die Hilfe brauchen. Zwei charmante Zeichentrickfilme für unsere jüngsten Besucher:innen.

Die Stadt Windhausen bietet alles, was eine schöne, liebenswerte Stadt ausmacht: ein nettes Café, eine Post, ein charmantes Rathaus – und freundliche tierische Bewohner:innen. Einer von ihnen ist das Karibu Edgar. Das nordamerikanische Rentier ist allerdings nicht irgendein Karibu, sondern der Superman der Tiere, eben ein Super-Karibu. Edgar hat alles, was es zum Heldentum braucht: einen Superhelden-Anzug, einen coolen Umhang, eine Maske und ein supergrosses Herz für alle, die Hilfe brauchen. Oder manchmal auch nicht. Die Animationsfilme um den so sensiblen wie abenteuerlustigen Super-Edgar sind von den erfolgreichen Kinderbüchern der französischen Illustratorin Magali Le Huche inspiriert und wurden als kurze Fernsehabenteuer bekannt. Dieses Programm beinhaltet den Kurzfilm «Ein Lied für Gina» und die längere Geschichte «Das Liebesverbot». In «Das Liebesverbot» beschliesst Elefanten-Bürgermeister Magnus, die Liebe zu verbieten, denn die schafft nur Probleme und macht alle Welt unglücklich. Als die Bewohner:innen von Windhausen darüber abstimmen müssen, nehmen sie das neue Gesetz an. Doch Super-Edgar ist nicht dafür, noch weniger seine Freundin Gina. Sie sind überzeugt, dass die Liebe das Schönste ist, das es gibt …

 

Exit 8
Ein junger Mann, der gerade erfahren hat, dass seine Ex-Freundin schwanger ist, ist in einer endlosen Tokioter U-Bahn-Station gefangen und sucht verzweifelt nach Ausgang 8. Immer wieder landet er am Ausgangspunkt. Der fesselnde Mystery-Thriller nach dem gleichnamigen Game ist eine faszinierende Rätseltherapie und eine ungewöhnliche Parabel auf Vaterschaft.

Ein junger Mann hat gerade auf dem Weg zur Arbeit erfahren, dass seine Freundin ungewollt schwanger ist und eine Entscheidung von ihm erwartet, als er plötzlich in den endlosen Gängen einer Tokioter U-Bahn-Station feststeckt. Immer wieder durchquert er denselben sterilen Korridor, immer wieder begegnet ihm derselbe schweigsame Mann. Verzweifelt sucht er den Ausgang Nr. 8. Doch um ihn zu erreichen, muss er eine Reihe von Regeln befolgen: Entdeckt er eine Anomalie, muss er umkehren. Findet er keine, darf er weitergehen. Eine einzige falsche Entscheidung – und die Schleife beginnt von vorn. Was zunächst wie ein raffiniertes Escape-Game funktioniert, entwickelt sich zunehmend zu einem psychologischen Labyrinth, in dem Orientierung, Erinnerung und Schuldgefühle miteinander verschmelzen. Mit «Exit 8» ist dem japanischen Regisseur Genki Kawamura eine kongeniale filmische Adaption des gleichnamigen viralen Indie-Game-Hits gelungen, die bei der Weltpremiere in Cannes frenetisch gefeiert wurde. Hypnotisch, lynchesk und mit grossem Gespür für Atmosphäre entfaltet der Film einen immersiven Sog, dem man sich kaum entziehen kann – bis man selbst anfängt, jeden Gegenstand, jedes Geräusch und jede Bewegung zu überprüfen. Ein minimalistischer Mystery-Horror über Wahrnehmung, Verantwortung und die quälende Frage, was es wirklich bedeutet, einen Ausweg zu finden.

 

The New Female Gaze: No Mercy
Ausgehend von der Aussage der Regisseurin Kira Muratova, dass Frauen härtere Filme machen als Männer, sprechen verschiedene Regisseurinnen über intime Themen wie Sex, Lust, Gewalt, Rache, Trauma und Mutterschaft, aber auch über Widerstand und Utopien. Die spannende Analyse des Female Gaze ist «einer der grossen Filme 2025» (unseenfilms).

Angeregt durch die überraschende Feststellung der sowjetischen Regisseurin Kira Muratowa (1934–2018), dass Frauen härtere Filme drehen als Männer, befragt Isa Willinger Regieikonen wie Catherine Breillat, Virginie Despentes, Monika Treut, Céline Sciamma und die kürzlich verstorbene Valie Export zu Macht, Freiheit, Geschlecht und dem Female Gaze. Ungeschönt und offen erzählen die charismatischen Vordenkerinnen und Newcomerinnen von Wut, Gewalt und dem Überlebenswillen ihrer Figuren, für die sie eindrucksvolle Bilder finden. So etwa Apolline Traoré aus Burkina Faso, deren Protagonistin in «Sida» mit einem Baby auf dem Rücken und einem Maschinengewehr in der Hand gegen islamistischen Terror kämpft. Die Befragten erzählen von ihrem Durchsetzungskampf in der patriarchalen Filmwelt, von Herabsetzung und Ausschluss, sexueller Gewalt, Rache und Lust – und nicht zuletzt von der Empörung, die ihre bahn- und tabubrechenden Werke hervorgerufen haben. Die Kritik ist begeistert: «Ein Blick auf das Kino in einer Art, über die man bisher nie nachgedacht hat. Einer der grossen Filme 2025», schwärmt Steve Kopian auf Unseen Films. Der «intelligente, ausgesprochen aktuelle und dringliche Dokumentarfilm» (Cinema Austriaca) ist ein Streifzug ins Herz des feministischen Filmschaffens: provokant, ehrlich, humorvoll – ein grosses Kinoerlebnis. 

 

Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war
Mit Archivschätzen, Interviews, Bachmanns Texten und improvisierten Szenen durchmisst der Film die zentralen Lebensphasen der grossen Autorin – von ihrer Kriegskindheit in Kärnten, ihrem Aufstieg zum Star der Gruppe 47 bis zu ihren letzten Tagen in Rom. Eine poetische Spurensuche und sensible Hommage mit Sandra Hüller.

Anlässlich des 100. Geburtstags der mythenumrankten Autorin am 25. Juni sind nicht nur neue Biografien, Erinnerungen und Essays erschienen, sondern auch ein Dokumentarfilm. Für ihre Annäherung an Leben und Werk einer der grössten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts hat Regina Schilling Archivschätze gehoben und mit inszenierten Szenen, die Ingeborg Bachmann durch einen imaginären Tag in Rom begleiten, zu einem kunstvollen Dokumentarfilm verwoben. Sandra Hüller beginnt diesen Tag auf der Veranda eines eleganten Apartments, das an Bachmanns letzte Wohnung erinnert. Der Film ruft zentrale Lebensstationen der Autorin ins Gedächtnis: ihre prägende Kriegsjugend in Klagenfurt, ihren glanzvollen Aufstieg zur gefeierten Lyrikerin, die das Spiegel-Cover zierte, bis zu ihren letzten Tagen in Rom. Zur Sprache kommen ihre komplizierten Beziehungen zu dem Lyriker und Holocaust-Überlebenden Paul Celan, dem Komponisten Hans Werner Henze sowie dem Schweizer Autor Max Frisch, mit dem sie in Rom zusammenlebte. Immer wieder ist die Autorin selbst zu sehen und zu hören – in Lesungen und Interviews, die wertvolle Einblicke geben in ihr unnachgiebiges Ringen im Spannungsfeld zwischen öffentlichem Ruhm und existenziellen Krisen sowie um eine eigene, radikale Sprache.

 

The New Female Gaze: Babygirl
Romy Mathis, verheiratet und Mutter zweier Töchter, leitet in New York ein erfolgreiches Robotikunternehmen. Sie riskiert Familie, Job und Renommee, als sie eine Affäre mit einem jungen Praktikanten beginnt. In Halina Rejins Erotikthriller um die sexuelle Selbstbefreiung einer Frau brilliert Nicole Kidman, die in Venedig als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde.

Die New Yorker Geschäftsfrau Romy strahlt als CEO eines Robotikunternehmens natürliche Autorität aus. Verheiratet ist sie mit dem attraktiven, erfolgreichen Theaterregisseur Jacob, mit dem sie zwei Kinder hat. Die beiden geben das perfekte Power Couple ab, doch in Romy brodelt es. Als sie den deutlich jüngeren Praktikanten Samuel kennenlernt, einen Draufgänger, der ihr mit seinem distanzlosen Verhalten auffällt, ist es um sie geschehen. Er macht sie unverhohlen an, sie lässt sich darauf ein und beginnt, mit ihm ihre Unterwerfungsfantasien auszuleben … Neben einer umwerfenden Nicole Kidman und einem in sich ruhenden Antonio Banderas verkörpert Harris Dickinson, bekannt aus dem Palme-d’Or-Gewinner «Triangle of Sadness», perfekt den manipulativen Macho. Elena Stern schreibt auf Maximum Cinema: «Reijns Film greift ein wichtiges Thema auf – die komplexen Machtdynamiken in Beziehungen, die zwischen Kontrolle, Hingabe und dem Streben nach Freiheit hin- und herschwanken, und das alles vor dem Hintergrund der weiblichen Sexualität. So schafft es Reijn, dieses Thema auf nuancierte Weise aufzugreifen, ohne in unnötige Klischees abzudriften. Es ist ein gleichermassen tiefgründiger wie unterhaltsamer Film mit grossartiger Besetzung, dem es durchaus zu wünschen gewesen wäre, in der laufenden Award-Saison mehr Aufmerksamkeit zu erhalten.»

 

Das Ende einer Ära – Stickerei im Appenzellerland
Walter Sonderegger senior ist 90 Jahre alt, sein Sohn Walter junior 65; beide stehen noch immer fast täglich an der Stickmaschine. Doch nach vier Generationen wird der Familienbetrieb geschlossen – eine jahrzehntelange Textiltradition geht zu Ende. Neben den beiden Protagonisten kommen Historikerin Heidi Eisenhut und Lokalchronistin Hedi Kohler zu Wort.

Vier Generationen lang hat die Familie Sonderegger in ihrem Kleinstbetrieb in Rehetobel gestickt. Doch Walter Sonderegger junior, der den Betrieb vom Vater übernommen hat, will mit 65 Jahren aufhören. Filmemacher Luca Schmid begleitet Vater und Sohn, die ganz unterschiedlich mit dem Ende umgehen, während der letzten Monate mit der Kamera. Sonderegger senior, der einst das Wohnhaus mit Fabrik gebaut hat, ist 90 Jahre alt und arbeitet an den letzten Aufträgen mit. In ihren Erzählungen lassen die beiden die Familien- und Firmengeschichte lebendig werden. Sie erinnern sich an Heim- und Kinderarbeit, an Aufträge für Akris oder Louis Vuitton, die ihre Stickereien für Kreationen verwendet haben, die von Heidi Klum, Kate Moss und Jennifer Lopez getragen wurden, und daran, wie sie mit technologischen Entwicklungen Schritt gehalten haben. Die Lokalhistorikerin Hedi Kohler und die Historikerin Heidi Eisenhut, Leiterin der Kantonsbibliothek Appenzell AR, spannen einen historischen Bogen zur kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Bedeutung der Stickerei in der Ostschweiz und in Rehetobel. «Dass es unseren Betrieb nicht mehr gibt, wird bald vergessen sein», sagt Walter Sonderegger junior. Dieser kleine, feine Dokumentarfilm tritt gegen dieses Vergessen an.

 

The New Female Gaze: Alpha
Als der 13-jährigen Alpha auf einer Party ein Tattoo gestochen wird, gerät ihre Mutter (Golshifteh Farahani) in Panik: Ihre Tochter könnte sich mit einem tödlichen Virus infiziert haben … Julia Ducournaus («Titane») neuer Film über Krankheit und Verlust zeigt einmal mehr, dass die Filmemacherin zu den derzeit aussergewöhnlichsten Regietalenten zählt.

Le Havre, Anfang der 1990er-Jahre. Der 13-jährigen Alpha wird auf einer Party ein grosses A in den Arm gestochen, als sie volltrunken ist. Als ihre als Ärztin arbeitende Mutter das Tattoo entdeckt, ist sie schockiert. Sie befürchtet, dass sich ihre Tochter mit einem tödlichen Virus angesteckt haben könnte. Seit einigen Jahren grassiert eine mysteriöse Epidemie, die die Infizierten buchstäblich versteinern lässt. Während Mutter und Tochter sorgenvoll auf die Ergebnisse von Alphas Bluttest warten, taucht der drogensüchtige Onkel Amin bei ihnen auf … Die Französin Julia Ducournau zählt zu den aussergewöhnlichsten Stimmen des europäischen Kinos. Mit ihrem wilden Body-Horror «Titane» sorgte sie vor fünf Jahren in Cannes für Aufsehen und wurde dafür als erst zweite Regisseurin mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Ihr neues Werk, intensives und intimes Körperkino über die existenzielle Transformation eines Teenagers, erzählt in ruhigem, melancholischem Ton von gesellschaftlicher Ausgrenzung und der Zerreissprobe einer Familie. Das bildmächtige Drama wird von den hervorragenden Darsteller:innen Mélissa Boros, Golshifteh Farahani und Tahar Rahim getragen. Thomas Willmann schreibt auf artechock: «‹Alpha› ist ein letztlich erlö­sender Film über Trauer und Trost, der getragen ist von Ducournaus tiefer Akzeptanz des vermeint­lich Monströsen.»

 

Mein neues altes Ich – Eine Reise ins Mysterium der Menopause
Wenn Frauen in die Fünfziger kommen, verstehen sie oft ihren Körper nicht mehr: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gedächtnisprobleme, Erschöpfung. Ihre Beschwerden werden oft mit Achselzucken quittiert. Wissen ist wenig vorhanden, die Forschung steckt in den Kinderschuhen. Eine Reise in das Mysterium der Menopause.

Der weibliche Körper ist im Laufe des Lebens mehrmals starken hormonellen Veränderungen unterworfen. Wenn Frauen in die Fünfziger kommen, leiden viele an Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gedächtnisproblemen und Erschöpfungszuständen. Rund ein Drittel entwickelt so massive Probleme, dass ihr Arbeits- und Sozialleben davon stark beeinträchtigt ist. Der Gang zu Ärzt:innen bringt meist wenig, da es über die Menopause kaum Erkenntnisse gibt, obwohl die Hälfte der Weltbevölkerung davon betroffen ist. Die Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen nimmt ihre eigene Krise zum Anlass für eine persönliche und wissenschaftliche Reise in das tabuisierte Thema. Sie spricht mit Frauen, für die die Menopause keine blosse hormonelle Veränderung ist, sondern eine existenzielle Verschiebung – körperlich, psychisch, sozial. Und sie reist zu führenden Wissenschaftlerinnen, die Symptome der Wechseljahre mit einem dreifach höheren Alzheimer-Risiko, Depressionen oder einer hohen Selbstmordrate in Zusammenhang bringen. Generationen von Frauen haben still gelitten; erst allmählich werden die gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen deutlich. «Mein neues altes Ich» ist ein wichtiger, erhellender Film, der die Menopause in ein neues Licht rückt, Frauen Mut macht und zeigt, wie dringlich es ist, darüber zu sprechen und mehr Forschung zu Frauengesundheit einzufordern.

 

Das unendliche Jetzt
Was passiert mit Menschen, die an Demenz erkranken? Wie nehmen sie ihre Krankheit wahr? Regisseur Kaspar Kasics wagt ein Experiment, das gängige Annahmen über Demenz auf den Kopf stellt. Er lässt seine Protagonist:innen in frei improvisierten Szenen aus dem Moment heraus spielen und das Geschehen selbst gestalten – mit überraschendem Resultat …

Mit seinem neuen Dokumentarfilm «Das unendliche Jetzt» wagt Kaspar Kasics («Erica Jong – Breaking the Wall») ein Experiment, das gängige Annahmen über Demenz auf den Kopf stellt. Im Zentrum seines Films stehen vier Personen, die von Demenz betroffen sind. Schauplatz ist eine leere Fabrikhalle, die mit Requisiten entsprechend den Vorlieben der Protagonist:innen zur Theaterbühne umfunktioniert wurde. Einzig die Ausgangssituation war vorgegeben, die Spielszenen wurden am Set frei improvisiert – nach einer Methode, die der Spielspezialist Franz Dängeli mit dem von ihm gegründeten Improvisationstheater act-back entwickelt hat. Jedes Wort, jeder Satz, jede Bewegung entsteht unmittelbar im Moment des Drehs. Während der Dreharbeiten zeigen die Protagonist:innen plötzlich Fähigkeiten, die im Alltag verloren schienen oder von ihrem Umfeld nicht wahrgenommen wurden. Unterstützt von zwei Schauspieler:innen erzählen sie unverblümt aus ihrem Alltag – vom «Eingesperrt-Sein» und der «grausamen Leere», die immer mehr von ihnen Besitz ergreift, von ihren Wünschen und Träumen, die sie immer noch haben. Trotz der ernsten Themen wird viel gelacht. «Das unendliche Jetzt» ist eine vielschichtige Reflexion über die menschliche Existenz mit der tröstlichen Erkenntnis, dass durch das Wegfallen alter Rollen neue Freiheiten gewonnen werden können.

 

111 – Echoes from Halifax
Der Absturz des Swissair-Flugs 111 vor Halifax am 2. September 1998 verändert das Leben vieler Menschen: Angehörige ringen um Gewissheit, Helfende spenden Trost, Bewohner:innen der kanadischen Küste erleben Spuren der Tragödie. Das bewegende Drama zeigt, wie Trauer Menschen über Kontinente hinweg verbindet und den Blick für das Wesentliche schärft.

Am 2. September 1998 stürzte die Maschine des Swissair-Flugs 111 vor der Küste der kanadischen Stadt Halifax ab. Es war das schwerste Unglück in der Geschichte der Schweizer Vorzeige-Airline: 229 Menschen kamen ums Leben. Fast dreissig Jahre später erhält das tragische Ereignis in einer kanadisch-schweizerischen Koproduktion nun ein Memorial in Form eines Spielfilms. Im Zentrum stehen Angehörige, Rettungskräfte und Anwohner:innen der Region. Auf eine Darstellung der Katastrophe selbst wurde bewusst verzichtet. Der schweizerisch-mexikanische Filmemacher Mauro Mueller erzählt, wie dieser tragische Moment Leben verändert, Menschen in ihrer Trauer über Kontinente hinweg verbindet und den Blick auf das Wesentliche im Leben schärft. Die meisten der Figuren sind fiktiv, basieren aber auf realen Vorbildern wie Anatole Taubman als Pilot Urs Zimmermann und Regula Grauwiller als damalige Kommunikationschefin der Swissair, Beatrice Tschanz. «111 – Echoes from Halifax» feiert seine internationalen Premieren zeitgleich auf zwei Festivals in Kanada und beim Zurich Film Festival. Produzentin Anne Walser sagt im Interview, sie habe berührt, «wie Trauer uns eine gemeinsame Sprache lehrt und wie der Tod unsere Perspektive auf das Leben und das, was wichtig ist, verändert».

 

Friday Night Club: Planet Terror
Eine bewaffnete Motorradgang versucht, einer Horde Zombies das Leben schwer zu machen. Vor allem die Anführerin – eine sexy Schönheit mit einer Maschinengewehr-Beinprothese – verbreitet Angst und Schrecken unter den fleischfressenden Monstern. Robert Rodriguez’ Kultfilm ist eine hemmungslos wilde Splatter-Farce im Geist der Trashfilme der 1970er-Jahre.

Auf einer abgelegenen US-Militärbasis wird an einem experimentellen Nervengas geforscht, das versehentlich freigesetzt wird. Wer dem verheerenden Gas ausgesetzt ist, verwandelt sich in einen Zombie, der nur darauf aus ist, Menschen zu töten und zu zerfleischen. Eine Gruppe von Überlebenden – darunter die Gogo-Tänzerin Cherry, die als sexy Schönheit mit Maschinengewehr-Beinprothese Kultstatus erlangte, ihr zwielichtiger Mechaniker-Exfreund Wray, eine Krankenschwester und der örtliche Sheriff – kämpft darum, die Nacht in der Kleinstadt zu überleben. Mit «From Dusk Till Dawn» brachten Robert Rodriguez und sein Freund Quentin Tarantino 1996 einen Kulthit ins Kino. Als Fans der Grindhouse-Kinos, die in den 1960er- und 70er-Jahren günstige B-Movies und Exploitationfilme im Doppelpack zeigten, realisierten sie zehn Jahre später unter dem Titel «Grindhouse» ein eigenes Double-Feature – bestehend aus Tarantinos «Death Proof» und Rodriguez’ «Planet Terror». In Europa kamen die beiden Streifen jedoch zunächst getrennt in die Kinos. Mit vielen Zitaten und noch mehr Lust an einer hemmungslosen Splatter-Farce huldigt Rodriguez in seinem wilden, selbstironischen Zombie-Horror seinen filmischen Vorbildern. Auf Cinema heisst es: «Diese ausgeklügelte Trashkino-Hommage ist der perfekte Partyfilm für Filmfreaks mit starkem Magen.»

 

Kinderfilme: Flunkerfisch
Flunkerfisch ist klein, doch seine Fantasie ist gross. Jeden Tag erzählt er eine andere Geschichte, warum er zu spät in die Schule kommt. Das Leben im Meer ist voller Gefahren. Da ist es nur gut, wenn man ein fantasievoller kleiner Fisch ist. Ein liebevoller Trickfilm für unsere jüngsten Besucher:innen nach dem bekannten Kinderbuch von Julia Donaldson und Axel Scheffler.

Der kleine Fisch Flori findet das Unterwasserleben faszinierend. Da gibt es Schnecken mit wunderschönen Häusern auf dem Rücken und Fische, die in allen Farben des Regenbogens leuchten. Flori kommt aus dem Staunen nicht heraus! Dumm nur, dass er deshalb oft zu spät zur Schule kommt. Um eine Ausrede ist er nie verlegen, denn Flori Flunkerfisch hat eine lebhafte Fantasie. Er sei auf einem Seepferdchen geritten oder auf einem Stachelrochen durchs Riff gezischt, erzählt er. Manche in der Schule mögen seine Geschichten, andere sagen, sie seien erfunden. Eines Tages gerät Flori in Gefahr, weil er einem Fischerboot zu nahe kommt. Wird man ihm dieses Abenteuer glauben? Mit «Flunkerfisch» haben Alex Bain und Andy Martin ein weiteres der beliebten Bilderbücher von Julia Donaldson und Axel Scheffler verfilmt. Preisgekrönte Filme wie «Der Grüffelo», «Die Schnecke und der Buckelwal» oder «Für Hund und Katz ist auch noch Platz» haben das jüngste Publikum im Kinok bereits begeistert. «Flunkerfisch» ist erneut ein liebevoll animiertes, in Reimen erzähltes Abenteuer. Ergänzt wird der britische Animationsfilm durch drei weitere Kurzfilme: «Ummi und Zaki» von Daniela Opp, «Der winzig kleine Fisch» von Sergei Ryabov und «Der Kugelfisch» von Julia Ocker.

 

Phantome der Nacht: Bram Stoker's Dracula
Jonathan Harker reist 1897 nach Transsylvanien, um mit Graf Dracula Immobiliengeschäfte abzuschliessen. Als dieser ein Foto von Harkers Verlobter sieht, glaubt er, in ihr seine verstorbene Frau zu erkennen. Francis Ford Coppolas überwältigendes Meisterwerk mit Gary Oldman, Winona Ryder und Keanu Reeves zeichnet Dracula als grossen Liebenden. Ein Meilenstein des Vampirfilms!

1897 reist der Immobilienmakler Jonathan Harker im Auftrag seines Arbeitgebers nach Transsilvanien, um dem Grafen Dracula ein Grundstück in London zu verkaufen. Durch Zufall entdeckt Dracula ein Porträt von Harkers Verlobter Mina, die seiner verstorbenen Frau Elisabeta verblüffend ähnlich sieht. Von Liebe entflammt, bricht er nach London auf, um Mina zu finden. Er lässt den verzweifelten Harker im Schloss zurück, der mittlerweile die wahre Identität des Grafen kennt. In London erregt Dracula die Aufmerksamkeit des Vampirjägers Professor Van Helsing, der sich mit seinen Gefährten auf die Jagd nach dem Untoten macht … Francis Ford Coppolas Version des Dracula-Stoffs hält sich eng an die 1897 erschienene Romanvorlage, nimmt sich aber einige Freiheiten heraus. So macht er Dracula zu einer tragischen Figur, die aus Schmerz über den Tod seiner grossen Liebe zum Vampir wurde. Überwältigend ist die opulente Umsetzung. Coppola entfacht ein filmisches Feuerwerk, das nahezu ohne digitale Effekte auskommt. Gabriele Weynd schreibt in Reclam Filmklassiker: «In einem exzessiven Stilmix reiht Coppola Versatzstücke aus der Kunstgeschichte und Mythologie aneinander, zitiert die Anfänge des Kinos und vermischt filmische Genres. (…) Die Originalität von ‹Bram Stoker’s Dracula› liegt nicht im Sujet, sondern in der experimentellen Gestaltung.»

 

Phantome der Nacht: What We Do in the Shadows
Die schwarzhumorige Vampir-Story gibt einen witzigen Einblick in das Leben moderner Blutsauger. Sie kennen sich seit Jahrhunderten und leben als Kumpels in einer fast normalen Wohngemeinschaft – samt Streit um den Abwasch und wilden Partynächten. Kultige Liebeserklärung an das Vampirgenre.

Ein Kamerateam filmt den Alltag einer Vampir-WG in einer Villa im neuseeländischen Wellington. Das Mockumentary zeigt auf, dass sich der Vampir-Alltag – abgesehen von einseitiger Ernährung und gelegentlichen Auseinandersetzungen mit Werwölfen – kaum von dem einer ganz normalen WG unterscheidet: Es gibt Streitereien wegen des Abwaschs und gemeinsame Partynächte – einzige Erschwernis: Vampire können ihren Ausgehlook nicht kontrollieren, da sie kein Spiegelbild haben. Als der 8000-jährige Petyr den jungen Nick zum Vampir macht, müssen die anderen dem impulsiven Frischling die Grundregeln des ewigen Lebens beibringen. Im Gegenzug macht Nick seine etwas altmodischen Kollegen mit moderner Unterhaltungselektronik vertraut. Anke Sterneborg schreibt in der Süddeutschen Zeitung: «Auch wenn der Film heute wie ein Gegenmittel zu den goldbestäubten Vampiren des Mainstream-Kinos anmutet, stammt die ursprüngliche, bereits in einem Kurzfilm durchprobierte Idee aus einer Zeit lange vor dem ‹Twilight›-Boom: ‹Als wir anfingen, den Film vorzubereiten, hat uns das sehr geholfen›, sagt Clement, ‹weil Vampire so ein heisses Ding waren. Als wir dann fertig waren, rollten die Leute nur noch mit den Augen. Und jetzt freuen sie sich, dass sich mal jemand darüber lustig macht!›»

 

Kalari Kid
In Indien erkämpfen sich junge Frauen mit Kalari, der ältesten Kampfsportart der Welt, ihren Platz in einer von Gewalt geprägten Gesellschaft. Der Dokumentarfilm erzählt von Widerstand, Disziplin und der Kraft, das eigene Leben zurückzuerobern. Ein elektrisierendes Porträt weiblicher Selbstermächtigung und Stärkung in einer patriarchalen Gesellschaft.

Die neunjährige Arushi, Tochter einer hinduistischen Mittelschichtsfamilie, und die 21-jährige Milena, Tochter einer christlichen Bauernfamilie, praktizieren die uralte südindische Kampfkunst Kalari. Während Arushi noch lernen muss, Wutmomente zu zügeln und Gelerntes nicht zu missbrauchen, steht Milena, die sich seit Kindertagen Kalari verschrieben hat, an einem Scheideweg ihres Lebens: Weil sie in der Stadt eine Ausbildung zur Pflegefachfrau beginnt, hat sie keine Zeit mehr für die geliebte Kampfkunst. Doch als sie merkt, dass gerade in ihrem Beruf Frauen besonders oft Gewalt erleiden, lehrt sie ihre Kolleginnen kalaribasierte Selbstverteidigung. Das schweizerisch-indische Regieduo Maria Kaur Bedi und Satindar Singh Bedi, 2023 mit seiner autobiografischen Liebesgeschichte «The Curse» bekannt geworden, begleitet in seinem neuen Film die beiden Frauen über einen längeren Zeitraum auf ihren Lebenswegen. Herausgekommen ist ein Werk, das sowohl atemberaubende Martial-Arts-Szenen als auch tiefe Einblicke in eine stark patriarchal geprägte Gesellschaft bietet. Nora Nater schreibt auf Outnow: «Den Zusammenhang zwischen der Kampfsportart und dem Kampf gegen Sexismus und Patriarchat zeigt ‹Kalari Kid› wunderbar auf und bringt präzise, elegant und ästhetisch auf den Punkt: Dank Kalari können sich Frauen verteidigen und haben grosses Interesse daran, stark zu sein.»

 

Phantome der Nacht: Les Lèvres rouges
Ein junges Paar strandet in einem Hotel in Ostende, wo es auf die Gräfin Báthory und ihre Assistentin Ilona trifft … Mit seinem opulenten Dekor, den dramatischen Farben, den exquisiten Kostümen, der richtigen Portion Camp sowie der Aura der unvergleichlichen Delphine Seyrig geniesst der queere Vampirfilm des belgischen Regisseurs Harry Kümel noch heute Kultstatus.

Das frisch verheiratete Paar Valerie und Stefan strandet in einem Luxushotel in Ostende, nachdem es die Fähre nach England verpasst hat, wo Stefans Mutter wohnt. Die Feriensaison ist vorbei, und so sind sie vorerst die einzigen Gäste, bis am Abend die geheimnisvolle Gräfin Báthory mit ihrer Sekretärin Ilona eintrifft. Die Gräfin, über die der Hotelportier Merkwürdiges zu berichten weiss, umgarnt das junge Paar, wobei sie vor allem an Valerie interessiert ist. Aber auch Stefan, der insgeheim sadistische Neigungen hegt und sich von den mysteriösen Morden an jungen Frauen im nahegelegenen Brügge seltsam fasziniert zeigt, gerät in den Bann der Gräfin … Mit seinem opulenten Dekor, den dramatischen Farben, den exquisiten Kostümen, der richtigen Portion Camp sowie der Aura der unvergleichlichen Delphine Seyrig geniesst der queere Vampirfilm des belgischen Regisseurs Harry Kümel auch heute noch Kultstatus. Rafael Wolf schreibt für RTS: «‹Les Lèvres rouges› vereint Eros und Thanatos. Ein Meisterwerk, das sexuelle, ästhetische und künstlerische Grenzen sprengt. Die Klischees des Vampirfilms – abgesehen vom tödlichen Tageslicht – werden sofort beiseite gefegt zugunsten einer zeitlosen, surrealistischen Atmosphäre. (…) Hinter der unsterblichen Gräfin erahnt man ein Porträt der Filmstars, die – wie Vampire – dem Tod trotzen, dank der Bilder, die sie verewigt haben.»

 

NAZA
Der preisgekrönte Dokumentarfilm, der das System hinter Israels gezielten Tötungen von palästinensischen Zivilist:innen im Gazastreifen enthüllt und der israelischen Armee schwere Verfehlungen vorwirft, erhielt in Venedig 25 Minuten Beifall. Die internationale Presse lobt ihn als einen der wichtigsten Filme unserer Zeit, während er in Israel heftige Debatten auslöst.

Drei Jahre lang haben die oscarprämierten Regisseur:innen Yuval Abraham und Rachel Szor («No Other Land») auf den Dächern von Tel Aviv mit Angehörigen der israelischen Armee und des Geheimdienstes anonymisierte Interviews geführt. Themen waren die Entscheidungsprozesse und Technologien hinter der Kriegsführung in Gaza, die für die hohen Opferzahlen unter der palästinensischen Bevölkerung verantwortlich sind. Der Filmtitel steht für das Kürzel, mit dem die Armee die Zahl der zivilen Opfer angibt, die bei einem israelischen Angriff einkalkuliert wird. Aus Sicherheitsbedenken hatte das Festival von Venedig erst neun Tage vor Beginn bekannt gegeben, dass «NAZA» im Hauptwettbewerb zu sehen sein wird. Nach seiner Uraufführung am 10. September wurde der Film vom Publikum mit einer 25-minütigen Standing Ovation gefeiert – ein neuer Rekord. «NAZA» gewann den Spezialpreis der Jury, die Kritiken sind durchgehend hervorragend. The New Yorker nennt ihn «einen der wichtigsten Filme unserer Zeit», Indie Wire «einen essenziellen Film, der dich bis ins Mark erschüttern wird», Der Standard schreibt: «Der (…) Film ist zwingend. Nicht nur aufgrund seines brisanten Inhalts, auch formal weiss er zu überzeugen.» Mittlerweile hat der israelische Kulturminister angedroht, den Regisseur:innen die Staatsbürgerschaft wegen angeblichen Landesverrats zu entziehen; die Armee prüft rechtliche Schritte.

 

Letzte Bilder: Sterbehilfe im Film: Mar adentro
Seit einem Badeunfall vor 26 Jahren ist der einstige Seemann Ramón vom Hals abwärts gelähmt. Trotz der liebevollen Pflege seines Bruders will er sterben, doch dazu braucht er Hilfe. Sein Wunsch rückt in greifbare Nähe, als er zwei Frauen kennenlernt. Javier Bardem brilliert in Alejandro Amenábars bewegendem Drama nach einem wahren Fall, der Spanien erschütterte.

Seit dreissig Jahren liegt Ramón gelähmt im Bett, liebevoll versorgt von der Familie seines Bruders. Sein einziger Wunsch: endlich zu sterben. Doch dazu bräuchte er jemanden, der ihm dabei hilft – was in Spanien illegal ist. Durch die Begegnung mit zwei Frauen, einer Rechtsanwältin und einer Dorfbewohnerin, rückt sein Wunsch in greifbare Nähe … Basierend auf der wahren, ganz Spanien erschütternden Geschichte des galizischen Seemanns Ramón Sampedro (1943–1998), der nach einem Sprung ins Meer vom Hals abwärts gelähmt war und 27 Jahre lang für sein Recht auf Euthanasie kämpfte, schuf Alejandro Amenábar ein Drama von existenzieller Wucht. Mit der stupenden Präsenz des damals 35-jährigen Javier Bardem, dem ein hervorragendes Make-up das schüttere Haar und die teigige Blässe eines 20 Jahre älteren, körperlich inaktiven Mannes verlieh, vermeidet «Mar adentro» jegliche Sentimentalitäten und schwingt sich gelegentlich gar zu komödiantischen Momenten auf. Über den Film, der den Auslands-Oscar sowie rekordverdächtige 14 Goyas erhielt und sich differenziert mit dem Thema Sterbehilfe auseinandersetzt, schrieb Manfred Riepe in der WOZ: «Mit dieser bedrückenden Geschichte eines Mannes, der von nichts anderem am Leben gehalten wird als seinem unbeugsamen Willen zum Tod, hat Amenábar einen überaus lebendigen Film über den Tod geschaffen.»

 

Moscas
Aus finanzieller Not muss Olga ein Zimmer ihrer Wohnung untervermieten. Als der neue Mieter seinen kleinen Sohn einschmuggelt, gerät ihr streng geregeltes Leben aus dem Takt. Das warmherzige, mit leisem Humor punktende Drama, in dem sich der kleine Bastian Escobar in die Herzen der Zuschauer:innen spielt, erzählt von einer unverhofften Freundschaft.

Olga, eine mürrische Mittfünzigerin, lebt einsam in einer Hochhauswohnung in Mexiko-Stadt. Es sind die titelgebenden Fliegen, die in der Eröffnungsszene des fünften Langspielfilms von Fernando Eimbcke («Temporada de patos», «Lake Tahoe») ihr Dasein stören. In diese beschaulich-traurige Idylle platzt Tulio, ein Mann vom Land. Er braucht für ein paar Tage ein Zimmer, da seine Frau nach einer Operation im benachbarten Spital liegt. Widerwillig geht Olga, die selbst Geld für eine bevorstehende medizinische Behandlung benötigt, auf Tulios Ansinnen ein. Was der ihr jedoch verschweigt: Er ist nicht allein, sondern in Begleitung seines kleinen Sohnes Cristian. Weil er aber nicht für zwei Personen bezahlen kann, schmuggelt er ihn heimlich ins Zimmer. Aus dieser schlichten Ausgangslage schafft Fernando Eimbcke ein lakonisch-tragikomisches Filmmärchen voller schräger Einfälle, das in seinen perfekten Schwarz-Weiss-Bildern und seiner unprätentiösen Darstellung prekärer sozialer Verhältnisse an den italienischen Neorealismus erinnert. Dazu gehört etwa das vorsintflutliche Computer-Ballerspiel namens «Space Defenders», das dem kleinen Cristian den Kopf verdreht und das, ähnlich wie die Fliegen, leitmotivisch in diesem minimalistischen Universum der skurrilen kleinen Dinge eingesetzt ist.

 

Vaterland
1949 reist Thomas Mann mit seiner Tochter Erika aus dem Exil zurück nach Deutschland, wo er in Frankfurt am Main und in Weimar einen Preis entgegennehmen soll. In Paweł Pawlikowskis meisterhaftem, vielschichtigem Roadmovie über Heimat, Identität und eine dysfunktionale Familie brillieren die Ausnahmeschauspieler:innen Sandra Hüller und Hanns Zischler.

1949 begeben sich Literaturnobelpreisträger Thomas Mann und seine Tochter, die Schauspielerin, Autorin und Kabarettistin Erika, auf eine Reise durch ein Deutschland in Trümmern – von Frankfurt in der amerikanischen Besatzungszone bis ins sowjetisch kontrollierte Weimar. Zum Goethe-Jubiläum wünscht man sich auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze Worte des Trostes, der Zustimmung und der Vergebung vom grössten aller Erzähler. Zwischen euphorischen Wagner-Erben und literarisch versierten Generälen wird Deutschlands wichtigster Schriftsteller hofiert, während das Drama seiner eigenen Familie leise eskaliert, als sich sein Sohn Klaus in Cannes das Leben nimmt. Es ist das erste Mal, dass Thomas Mann in sein Heimatland zurückkehrt, aus dem er 1933 ins Exil geflohen war. Die Reise in die verwundete deutsche Seele wird für Erika und Thomas Mann zu einer Reise ins Innerste. In bestechenden Schwarz-Weiss-Bildern und künstlerischer Verdichtung – tatsächlich begleitete nicht Erika, sondern ihre Mutter Katia Thomas Mann auf dieser Reise und Klaus war schon zwei Monate zuvor gestorben – verwebt Paweł Pawlikowski den Nullpunkt der deutschen Geschichte mit dem Finale einer Familiensaga zu einem überragenden Meisterwerk, das in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde. «Ein Film wie ein perfekt geschliffenes Juwel», jubelte nicht nur die New York Times.

 

Freedom – Le Destin de Shewit
Shewit ist dreizehn, als sie aus Eritrea flüchtet und nach zweijähriger Odyssee in der Schweiz landet. Hier will sie eine Ausbildung machen und ein selbstbestimmtes Leben führen. Zehn Jahre später wartet sie noch immer auf den Asylentscheid … Der Film begleitet die charismatische Protagonistin zehn Jahre lang und macht die quälende Realität des Schweizer Asylwesens erfahrbar.

Shewit Tekie trifft mit 13 Jahren eine Entscheidung, die alles verändert: Sie verlässt ihre Familie und flieht allein aus Eritrea, wo sie keine Zukunft sieht. Nach zweijähriger Odyssee mit Inhaftierung in Libyen erreicht sie die Schweiz – das Land, in das sie all ihre Hoffnungen setzt und in dem bereits zwei ihrer Brüder leben. Sieben Jahre später hat sie immer noch keine Aufenthaltsbewilligung. Doch sie kämpft weiter für ihren Traum: Sie will eine Ausbildung machen und ein unabhängiges Leben führen. Regisseurin Anne-Frédérique Widmann hat ihre charismatische Protagonistin über einen Zeitraum von zehn Jahren behutsam mit der Kamera begleitet und verzichtet auf einfache Erklärungen. Arttv schreibt: «Der Film zeigt, wie Flucht nicht mit der Ankunft endet, sondern neue Abhängigkeiten, neue Zwänge und neue Formen von Unsicherheit erzeugt. Freiheit erscheint hier nicht als Zustand, sondern als Prozess – fragil, gefährdet, immer wieder infrage gestellt. Der Film lässt Raum für Ambivalenzen und widersetzt sich dem Bedürfnis nach klaren Urteilen. Anne-Frédérique Widmann gelingt ein Werk, das politische Realität erfahrbar macht, ohne sie zu illustrieren – und das daran erinnert, dass hinter jedem migrationspolitischen Diskurs individuelle Lebenswege stehen, die sich keiner einfachen Erzählung fügen.»

 

Lügen über meine Mutter
Westdeutsche Provinz, 1980er-Jahre: Das Gewicht der Mutter ist bestimmendes Thema in Elas Familie. Ihr Vater findet seine schöne Frau zu dick. Die liebevolle Verfilmung von Daniela Dröschers gleichnamigem Erfolgsroman erzählt vom Leidensweg ihrer eigenwilligen Mutter, die sich nicht unterkriegen lässt. Beeindruckend Hauptdarstellerin Rosalie Thomass in ihrem Ringen um Würde und Selbstbestimmung.

Die kleine Ela weiss, was Familie bedeutet: Teil von etwas Wunderbarem zu sein. Dass es in ihrer Familie nicht ganz so wunderbar zu und her geht, kann die Sechsjährige noch nicht richtig verstehen. Ständig nörgelt der Vater an ihrer Mutter herum und setzt die lebenslustige und kluge Frau wegen ihres Körpergewichts herab. Sein eigenes Unvermögen, die fehlende Beförderung und mangelnde soziale Anerkennung lastet er seiner Frau an, die er mit Sätzen wie «Ich bekomme niemals eine gehobene Stelle ohne eine vorzeigbare Frau», Diäten und Gewichtskontrollen drangsaliert, während sie sich um die Kinder, die kranke Mutter und den Haushalt kümmert, Französisch lernt und eine Stelle sucht … Die trotz des ernsten Themas leichtfüssige, liebevolle und farbtrunkene Verfilmung, die die enge Welt der westdeutschen Provinz der 1980er-Jahre beklemmend vorführt, basiert auf dem autofiktionalen Erfolgsroman von Daniela Dröscher, die damit auch auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand. Aron Lehmann, der sich mit der Adaption von Mariana Lekys Roman «Was man von hier aus sehen kann» einen Namen gemacht hat, hat für seinen ans Herz gehenden Film ein stimmiges Ensemble zusammengestellt, allen voran die umwerfende Rosalie Thomass als Mutter Cornelia, die sich nicht unterkriegen lässt.

 

Phantome der Nacht: The Hunger
Die ebenso schöne wie mysteriöse New Yorker Upper-Class-Lady Miriam Blaylock und ihr Liebhaber John sind ein elegantes Vampirpaar. Doch während Miriam mit ewiger Jugend gesegnet ist, beginnt John eines Tages rasant zu altern … Einer der besten Vampirfilme mit Catherine Deneuve und David Bowie – sinnlich, elegant und unbeschreiblich cool.

Die schöne und kultivierte Miriam Blaylock ist die vermutlich letzte Überlebende eines alten ägyptischen Vampirgeschlechts. Mit ihrem Liebhaber John, den sie im 18. Jahrhundert kennengelernt hat, lebt sie in einem noblen Stadthaus in New York. Ihre Begierde nach Blut stillen die beiden bei nächtlichen Ausflügen in Dark-Wave-Clubs. Anders als Miriam, die mit ewiger Jugend gesegnet ist, beginnt John eines Tages rapide zu altern. Verzweifelt sucht er Hilfe bei einer Gerontologin, die über Alterungsprozesse forscht. Doch ohne Erfolg. Innerhalb weniger Stunden verkommt er zu einem hochbetagten Greis und landet bei seinen Vorgängern, die in Särgen auf dem Dachboden dahinvegetieren – durch Miriams Blut zu ewigem Leben verdammt. Miriam dagegen hat inzwischen Gefallen an der jungen Wissenschaftlerin gefunden, die bald in ihren Bann gerät … Catherine Deneuve als unterkühlte Unsterbliche und David Bowie als ihr dem Zerfall geweihter, unglückseliger Geliebter – in kunstvoll stilisierten Bildern und unverkennbarer Achtzigerjahre-Ästhetik gelang Regisseur Tony Scott ein postmoderner, düster-melancholischer Horrorfilm über den Segen des ewigen Lebens als Fluch der ewigen Einsamkeit. «Sinnlich, elegant und unbestreitbar cool zählt ‹The Hunger› zu den besten künstlerischen Vampir-Darstellungen», lobt Nicholas Bell den Kultklassiker auf Ioncinema.

 

Phantome der Nacht: A Girl Walks Home Alone at Night
Die iranische Geisterstadt Bad City ist ein Ort der Einsamkeit und des Todes, in der ein weiblicher Vampir auf einem Skateboard sein Unwesen treibt. Rauschhafte Musik verleiht der verwegenen Romanze mit einem Engel der Nacht den Reiz purer Low-Budget-Kunst – ein einzigartiger iranisch-amerikanischer Kultfilm.

Der Debütfilm der iranisch-amerikanischen Regisseurin Ana Lily Amirpour ist in jeder Beziehung ein erstaunliches Werk: eine Vampir-Romanze, inszeniert als wunderbar surrealistischer Genremix, unterlegt mit einem hypnotisierenden Soundtrack, der an Jim Jarmuschs «Only Lovers Left Alive» erinnert. Schauplatz ist Bad City, eine Art geisterhafte Zwischenwelt, die von allerlei lichtscheuen Gestalten bevölkert wird, darunter ein Knabe mit Rollbrett und eine Katze. Der junge, attraktive Arash muss seinen geliebten Ford Thunderbird an den Dealer Saeed abtreten, um die Drogenschulden seines Vaters zu begleichen. Auf dem Heimweg von einer Party, kostümiert als Graf Dracula, begegnet er im Morgengrauen einer rätselhaften jungen Frau im Tschador. Er ahnt nicht, dass er einer echten Vampirin gegenübersteht – in einer der schönsten Szenen dieses faszinierenden Films. Es ist der Beginn einer zarten Liebesgeschichte … Das Festival International du Film de Fribourg schreibt: «In magischen Schwarz-Weiss-Bildern und mit einem vibrierenden Soundtrack gelingt Amirpour ein doppelbödiges und sinnliches Traumspiel voll visueller Kraft und abgründiger Provokationslust. (…) Der Vampirismus schafft eine tiefgründige Metapher für den Iran.»

 

Phantome der Nacht: Thirst
Ein katholischer Priester wird unbeabsichtigt in einen Vampir verwandelt und muss in der Folge mit sinnlichen Begierden und den sieben Todsünden fertig werden … Der betörende Vampirfilm des südkoreanischen Meisterregisseurs Park Chan-wook ist eine Mischung aus Amour fou, Ghoststory und Gewissensdrama – eine intelligente Studie über Moral sowie Schuld und Sühne.

Der katholische Priester Sang-hyun arbeitet aufopferungsvoll in einem Krankenhaus, wo er den Sterbenden Trost spendet, und steckt tief in einer Glaubenskrise. Um einen wirksameren Beitrag zur Heilung von Kranken zu leisten, nimmt er an einem medizinischen Experiment zur Bekämpfung eines tödlichen Virus teil – und kommt dabei zu Tode. Dank einer Bluttransfusion unbekannter Herkunft erwacht er wie durch ein Wunder wieder zum Leben. Doch er ist nicht mehr derselbe, denn das frische Blut in seinen Adern stammt von einem Vampir. Fortan ringt der Priester mit einem unstillbaren Blutdurst und ihm bisher unbekannten sinnlichen Begierden. Als er der Frau eines alten Schulfreundes begegnet, kann Sang-hyun seine neuen Gelüste nicht mehr kontrollieren. Zwischen dem Vampir-Priester und Tae-ju entbrennt eine hemmungslose Affäre, die ihn in die Welt der Sünde führt … Lose basierend auf Émile Zolas Roman Thérèse Raquin verbindet der südkoreanische Meisterregisseur Park Chan-wook Vampirfilm mit Amour-Fou-Geschichte, Ghoststory und Gewissensdrama. «‹Thirst› ist im Grunde weniger ein blutrünstiger Vampirfilm – auch wenn noch so viel Blut fliesst – und erst recht kein Horrorschocker, als vielmehr eine anspielungsreiche, intelligente und witzige Studie über Moral. Eine vampirische Version von Schuld und Sühne, wenn man so will», schreibt Esther Buss im Filmdienst.

 

Wenn die Erinnerung verblasst
Seit elf Jahren lebt Birgitta Martensson mit Alzheimer. Die einstige Leiterin von Alzheimer Schweiz besteht darauf, dass ihr Leben trotz aller Schwierigkeiten ein gutes Leben ist. Fast drei Jahre begleiten die Filmemacherinnen sie in ihrem Alltag und schaffen ein berührendes Porträt über Autonomie, Freundschaft und Würde.

Seit elf Jahren lebt Birgitta Martensson mit Alzheimer und bestand von Anfang an darauf, dass sie – auch mit der Krankheit – ein gutes Leben hat. Dabei weiss sie genau, was sie erwartet: Fünfzehn Jahre lang war sie Geschäftsleiterin der Organisation Alzheimer Schweiz. Sie ist schwedischer Herkunft, spricht mehrere Sprachen und lebt in Lausanne. Mit Humor und Offenheit ringt sie um Selbstbestimmung, obwohl ihr die Kontrolle über ihr Denken und Handeln zunehmend entgleitet. Als alleinstehende Frau ist Unabhängigkeit ein zentraler Bestandteil ihres Lebens – deshalb kommt ein Pflegeheim für sie nicht infrage. Die Regisseurinnen Martina Rieder und Marianne Pletscher begleiteten Birgitta Martensson und ihre beste Freundin Christiane Kühne drei Jahre lang mit der Kamera durch den Alltag und zeigen, wie selbstverständliche Handlungen für die Betroffenen zunehmend zu Herausforderungen werden. Entstanden ist ein intimes und berührendes Porträt über Autonomie, Freundschaft und Würde. Dr. Sandra Oppikofer vom Zentrum für Gerontologie an der Universität Zürich sagt: «Der Film berührt nicht nur durch seine Nähe und seine stille Klarheit, sondern führt behutsam durch die verschiedenen Phasen einer kognitiven Beeinträchtigung.»

 

Dua
Pristina, Kosovo, Ende der 1990er-Jahre. Die 13-jährige Dua wächst inmitten ethnischer Spannungen auf, die ihre Familie bedrohen. Dank ihrer Freundin Maki findet sie zu Mut und Widerstand. Blerta Bashollis atmosphärischer, von eigenen Erfahrungen inspirierter Film erzählt von Freundschaft und Solidarität in schwierigsten Zeiten und wurde in Cannes und am Zurich Film Festival gefeiert.

Pristina, Kosovo, Ende der 1990er-Jahre. Während der Krieg immer näher rückt und die ethnischen Spannungen zu eskalieren drohen, ringt die dreizehnjährige Dua darum, ihren Platz unter Gleichaltrigen und in ihrem sich wandelnden Körper zu finden. Die Gewalt ist allgegenwärtig und lässt kaum Raum für ruhige Momente individuellen Aufbruchs. Als sich auch für Dua die Situation zuspitzt, schliesst sie sich ihrer furchtlosen Klassenkameradin Maki an, die sie zu einem Judokurs für Selbstverteidigung ermuntert. Nach ihrem fulminanten Debüt «Hive» widmet sich Blerta Basholli erneut der jüngeren Geschichte ihrer Heimat Kosovo. «Dua» feierte seine Weltpremiere 2026 in der Semaine de la Critique in Cannes und gewann dort den SACD-Preis. Die meisten Szenen beruhen auf eigenen Erlebnissen; Basholli war sechzehn, als der Krieg endete. Rückblickend interessiert sie vor allem, wie die Menschen damals ihren Alltag lebten, wovon sie träumten und was es bedeutet, wenn man gezwungen ist, sein Land zu verlassen, obwohl man es liebt. Arttv lobt: «Regisseurin Blerta Basholli verbindet in ihrem zweiten Spielfilm die Unsicherheiten der Pubertät mit der zunehmenden Gewalt einer Gesellschaft, die auseinanderzubrechen droht. Ein eindringlicher Coming-of-Age-Film über das Erwachsenwerden in einer Welt, in der für kindliche Unbeschwertheit immer weniger Platz bleibt.»

 

Alte Liebe
Seit seiner Pensionierung verbringt Harry seine Zeit mit Bier und Gartenarbeit, während seine Frau Lore, die als Bibliothekarin arbeitet, sich zu fragen beginnt, ob das schon alles war. Nach 40 Jahren Ehe müssen sie sich nochmals neu begegnen. Andreas Dresen beglückt mit einer klugen, witzigen und warmherzigen Liebesgeschichte nach dem Roman von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder.

Alte Liebe rostet nicht. Aber vierzig Ehejahre sind auch an Lore und Harry nicht spurlos vorübergegangen. Lore findet, dass Harry – ein begeisterter Hobbygärtner – seit seiner Pensionierung nur noch herummeckert. Harry hält dagegen, dass Lore sich an ihren Job als Bibliothekarin klammert und peinliche Lesungen veranstaltet. Alte Geschichten, verpasste Chancen und die Unsicherheiten des Ruhestands sorgen regelmässig für hitzige Debatten zwischen den beiden. Nur bei einem einzigen Thema sind sie sich einig: Ihre Tochter Gloria hat in Liebesdingen wenig Glück. Nun will sie zum dritten Mal heiraten – diesmal einen wohlhabenden Industriellen, der ihr Vater sein könnte. Regisseur Andreas Dresen hat den Erfolgsroman Alte Liebe von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder aus dem Jahr 2009, der für seinen trockenen Humor und seine lebenskluge Beobachtung menschlicher Beziehungen gefeiert wurde, kongenial für die Leinwand adaptiert – mit zwei der profiliertesten Charakterdarsteller:innen Deutschlands in den Hauptrollen: Dagmar Manzel und Joachim Król. Um auf eigene Erfahrungen zurückgreifen zu können, haben Andreas Dresen und seine Drehbuchautorin Laila Stieler den Ort der Handlung von West nach Ost verlegt. So kommen nun zwei ostdeutsche Autoren – Christoph Hein und Clemens Meyer – zu herrlich selbstironischen Cameo-Auftritten.

 

Phantome der Nacht: Nadja
Nachdem Dracula vom Vampirjäger Van Helsing erwischt wurde, kommt seine Tochter Nadja nach New York, um ihren Zwillingsbruder zu suchen und sich von ihrem Fluch zu befreien. Mit Elina Löwensohn, Martin Donovan, Peter Fonda und David Lynch brillant besetzt, lebt der Film von betörenden Bildern, einem coolen Setting und der Musik von Portishead.

Graf Dracula ist tot, getötet von Van Helsing. Seine Tochter Nadja kommt nach New York, um sich mit dem Tod des übermächtigen Vaters und ihrer eigenen Existenz auseinanderzusetzen – und um ihren Zwillingsbruder Edgar zu suchen, der sich von der Familientradition abgewandt hat. Als sie sich nichtsahnend in Lucy verliebt, die mit Van Helsings Neffen verheiratet ist, kommt der Vampirjäger ihr auf die Spur … Mit der ätherischen Elina Löwensohn in der Titelrolle verwandelt Regisseur Michael Almereyda den Vampirmythos in einen melancholischen, ironischen, in kunstvollen Schwarz-Weiss-Bildern gedrehten Independentfilm über Einsamkeit, Familie, Begehren und die Schwierigkeit, sich von der eigenen Vergangenheit zu lösen. Teils verführerische Träumerei, teils Parodie ist «Nadja» ein delirierender Mix aus André Bretons gleichnamigem surrealistischen Roman von 1928 und Lambert Hillyers «Dracula’s Daughter» (1936). «Der stilvollste Vampirfilm der 1990er-Jahre … witzig und sexy zugleich … ein trocken-humorvolles, blutsaugendes Abenteuer, das bewies, dass man kein grosses Budget brauchte, solange man über Attitüde, ein cooles Setting und eine ästhetische Vision verfügte», schwärmt Jordan Hoffman dreissig Jahre nach seinem Erscheinen in Vanity Fair. Kein Geringerer als David Lynch produzierte damals den Film und hat einen Gastauftritt als Leichenhauswächter.

 

Frank & Louis
Frank verbüsst eine lange Haftstrafe. In der Hoffnung, seine Chancen auf Bewährung zu erhöhen, übernimmt er die Betreuung des dementen, einst gefürchteten Häftlings Louis. Diese Aufgabe bringt ihn an den Rand seiner Kräfte … Petra Volpe («Heldin») beglückt mit einem Drama über eine ungewöhnliche Männerfreundschaft, das in Locarno den Publikumspreis der Piazza Grande gewann.

Frank Baker verbüsst wegen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe. Um die brutale Realität des Gefängnisalltags zu ertragen, hat er sich emotional abgeschottet. Als er in eine neue Einrichtung verlegt wird, beschliesst er, sich den «Gold Coats» anzuschliessen, einem Programm, in dem Häftlinge an Alzheimer und Demenz erkrankte Mitinsassen betreuen – in der Hoffnung, dadurch seine Chancen auf eine vorzeitige Entlassung zu erhöhen. Frank wird Louis Nelson zugeteilt, einem Einzelgänger um die Sechzig, der einst für seine Macht und Autorität gefürchtet war und der trotz seiner Erkrankung sehr auf seine Unabhängigkeit bedacht ist. Ihn zu pflegen, bringt Frank an seine körperlichen und emotionalen Grenzen … Das englischsprachige Debüt von Regisseurin Petra Volpe («Die göttliche Ordnung», «Heldin») feierte seine Weltpremiere am renommierten Sundance Film Festival, wo Damon Wise für Deadline den «grossartigen Film» zu den besten des Festivals zählte. Volpe erzählt eine zutiefst berührende Geschichte über Freundschaft, Krankheit und menschliche Nähe, die ihr am Filmfestival Locarno den Publikumspreis der Piazza Grande einbrachte. Guy Lodge lobt auf Variety die beiden Hauptdarsteller Kingsley Ben-Adir und Rob Morgan: «Die beiden sind für sich genommen schon hervorragend, vor allem aber schenken sie einander eine ungeheuer warmherzige Aufmerksamkeit.»

 

Phantome der Nacht: Let the Right One In
Oskar leidet unter den Gemeinheiten seiner Mitschüler:innen. Als Eli in sein Haus zieht, scheint er endlich eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Doch das Mädchen hütet ein blutiges Geheimnis … Der ungewöhnliche, vielfach preisgekrönte Vampirfilm des Schweden Tomas Alfredson über zwei verletzte Teenagerseelen wurde von Kritik und Publikum gefeiert.

Der zwölfjährige Oscar lebt mit seiner Mutter in einer trostlosen Plattenbausiedlung im winterlichen Schweden. In der Schule wird der introvertierte Junge von seinen Klassenkamerad:innen übel schikaniert und flüchtet sich in seiner Einsamkeit zunehmend in Rachefantasien. Als er die mysteriöse Eli kennenlernt, die nur nach Sonnenuntergang unterwegs ist und für die kalte Jahreszeit viel zu leichte Kleidung trägt, scheint er endlich eine verwandte Seele gefunden zu haben. Doch das Mädchen mit den traurigen Augen hütet ein blutiges Geheimnis … In seinem vielfach preisgekrönten Werk verbindet Regisseur Tomas Alfredson Coming-of-Age-Themen mit Elementen des Vampirfilms zu einer durchdringend melancholischen Geschichte über zwei verletzte Seelen, über Isolation, Freundschaft und Loyalität. Michael Sennhauser schreibt in seinem Filmblog: «Inszeniert ist das als realistisches Drama im Alltag zweier einsamer Jugendlicher. Dazu kommen aber die fantastischen Elemente, die blutigen, die schrecklichen, und die sind alle mit einer Selbstverständlichkeit eingebettet, die einen immer wieder staunen lässt. Es gibt keine Tabus für diesen schwedischen Film, weil er sie gar nicht braucht. Da ist dermassen viel Menschlichkeit drin, so viel Verständnis für alle Figuren, dass der Filmemacher sich Bilder erlauben kann, die anderswo skandalisieren würden.»

 

Rockstar Matthias
Seit seinem 15. Lebensjahr lebt Matthias Noser mit einer paranoiden Schizophrenie, die sich in wiederkehrenden Psychosen äussert. Viele Jahre hat er in Psychiatrien verbracht. Regisseur Christoph Rahm zeigt, wie er sein schwieriges Leben meistert und wie ihm seine Kunst dabei hilft. Ein inspirierender Film über Kreativität und Freundschaft – tiefgründig und humorvoll.

Regisseur Christoph Rahm und Titelheld Matthias Noser lernten sich in den 1990er-Jahren in der psychiatrischen Klinik Königsfelden kennen – angehender Pfleger der eine, Patient mit Schizophrenie-Diagnose der andere. Als Rahm 1999 seine Diplomarbeit über Schizophrenie schrieb, war Noser einer seiner Patient:innen. In einem Gesprächsausschnitt von damals hört man ihn zu Beginn von «Rockstar Matthias» selbstironisch kommentieren: «Man ist ja nicht wegen eines Hustens hier.» Der Regisseur erzählt, wie Noser ihm schon zu jener Zeit Fotografien zur Verfügung gestellt habe, die er als gelernter Reprofotograf über all die Jahre realisiert hatte. Kurz danach hörte Rahm in der Psychiatrie auf, wurde Dokumentarfilmer und verlor seinen einstigen Patienten aus den Augen. Der Untertitel von «Rockstar Matthias» – «Kunst, Freundschaft, Schizophrenie» – bringt präzise auf den Punkt, was dieses schillernde Porträt eines kaum fassbaren Mannes auszeichnet, von dem seine Schwester, die Aargauer Künstlerin Pat Noser, einmal sagt: «Berühmte Leute, die auch einen Flick weghaben, werden angehimmelt. Bei jemand, der gar nicht berühmt ist, sagt man hingegen nur: Der spinnt einfach.» Das Kino Cameo schreibt: «Ein inspirierender Dokumentarfilm über Kreativität, Freundschaft und darüber, wie ein vorbelasteter Mensch sein Leben meistert – tiefgründig und humorvoll!»

 

Phantome der Nacht: Only Lovers Left Alive
Jim Jarmusch erfindet das Vampirgenre neu. Adam und Eve sind Liebende durch die Jahrhunderte: kultiviert, empfindsam, cool. Sie haben mit Lord Byron Schach gespielt, Schubert ein Adagio abgetreten und trinken Blut aus kostbaren Kristallgläsern. Hinreissend: Tilda Swinton und Tom Hiddleston als melancholische Nachtgestalten.

Adam und Eve sind Liebende durch die Jahrhunderte. Sie haben mit Lord Byron Schach gespielt, Schubert ein Adagio abgetreten und schlürfen erlesene Blutkonserven aus feinstem Kristall – denn Blutsaugen «ist so 15. Jahrhundert!». Bei Jim Jarmusch sind Vampire keine lüsternen Monster, sondern empfindsame Wesen, hochintelligente Schöngeister, klassische Bohemiens, bewandert in Kunst, Literatur und Wissenschaft. Dieser Tage führen sie eine Fernbeziehung. Adam hat sich als Undergroundmusiker in eine verfallende Villa in Detroit zurückgezogen, wo er an der Ignoranz der Menschheit verzweifelnd seinen Hang zur Depression kultiviert. Eve hat sich in Tanger ein barockes Bücherrefugium erschaffen. Doch als sie spürt, dass ihr lebensmüder Geliebter seiner Unsterblichkeit ein Ende setzen will, bucht sie den nächsten Nachtflug nach Detroit. In opulenten Bildern verkehrt Jim Jarmusch das Vampirgenre zu einem anspielungsreichen Streifzug durch die Kulturgeschichte und zur Kritik an einer Welt, die sich selbst zugrunde richtet. Dabei ist «Only Lovers Left Alive» Klage und Hymne zugleich – auf das Leben und die ewige Liebe. Voll absurder, sanfter Komik entwickelt der Film einen soghaften Rhythmus. Und wenn er nach zwei Stunden endet, wünscht man sich, er würde sich noch ewig so hypnotisch weiterdrehen wie die Vinylplatte zu Beginn.

 

Anders anders – Was uns verbindet
Die Ostschweizer Regisseurin Hao Hohl («Plötzlich Heimweh») befragt verschiedene Protagonist:innen nach Zugehörigkeit und Heimat. Autor Pedro Lenz blickt humorvoll auf Kindheit und Dialekte, während Komponist Charles Uzor seine Sehnsucht nach Heimat offenlegt. Eine bildgewaltige, von Hao Hohls betörenden Scherenschnitten unterlegte Studie über Heimat und Fremdsein.

Die seit 2006 in Urnäsch lebende gebürtige Chinesin Hao Hohl ist keine Unbekannte. Mit «Plötzlich Heimweh», einer bewegenden Erzählung persönlicher Selbstfindung, für die sie zwölf Jahre lang mit der Kamera ihre neue Umgebung erkundete, hatte sie 2019/20 einen Überraschungserfolg. Mit ihrem neuen Film knüpft sie an den Vorgängerfilm an. Waren dort die Protagonist:innen meist «gewöhnliche Leute», steht in «Anders anders – Was uns verbindet» Prominenz aus Kultur und Politik im Zentrum. So etwa Pedro Lenz, der, wie Hao Hohl es nennt, Reflexionsfigur ist und durch den Film führt. Mit dem in St.Gallen lebenden, aus Nigeria stammenden Komponisten Charles Uzor, dem ehemaligen Appenzeller Landammann und Kulturforscher Roland Inauen sowie der aus einer bekannten Musikerdynastie stammenden Szenografin Kendra Alder sind drei weitere bekannte Gesichter aus der Region mit von der Partie. Hao Hohl bereichert ihren «Heimatfilm» mit Scherenschnitten aus ihrer Hand und charakterisiert ihn wie folgt: «Mir geht es nicht darum zu sagen, jeder sei ein wenig anders – sondern darum, Herkunft neu zu denken. Sie ist nicht nur die Kindheit, sondern jede Begegnung, jeder Ort, jeder Mensch und jede Entscheidung, die wir treffen.»

 

While the Green Grass Grows: A Diary in Seven Parts
Peter Mettler denkt in seinem gefeierten siebenstündigen Opus magnum über das Sterben, den Ursprung des Lebens, Träume und Erinnerungen sowie die Schönheit der Welt nach. Entstanden ist eine tranceartige, meditative Reise in das Wunder alltäglicher Dinge und den Fluss des Entstehens und Vergehens – geschaffen von einem der grossen Magier des Kinos.

Vor zwei Jahren zeigte der der Ostschweiz und dem Kinok verbundene ka­na­disch-schwei­ze­ri­sche Regisseur Peter Mettler mit «While the Green Grass Grows» das erste und sechste Kapitel seines – wie er damals ankündigte – dereinst sieben Kapitel umfassenden Films. Nun hat er die 420 Minuten seines zwischen Anfang 2019 und Ende 2021 gefilmten Tagebuchs zu einem faszinierenden, meditativen Trip an unterschiedlichste Orte der Welt fertiggestellt. In Bildern von überwältigender Schönheit, in denen persönliche Gespräche, Träume, Erinnerungen und Familiengeschichte zu einem meditativen Bewusstseinsstrom zusammenfliessen, macht er sich Gedanken über die menschliche Existenz und unsere Umwelt und stellt immer wieder die Frage, ob wir es schaffen, den Planeten nicht zugrunde zu richten. Entstanden ist das Opus magnum eines unvergleichlichen Magiers des Kinos, ein Werk von Reife, Klarheit und überraschender Intimität, das das kollektive Schicksal mit Anmut, Poesie und Staunen hinterfragt. Wie in all seinen Filmen entwickeln die überwältigenden Bilder und der Voiceover mit seiner unvergleichlichen Stimme einen tranceartigen Sog, der die lan­ge Dau­er des Films spie­lend ver­ges­sen lässt.

 

Queen at Sea
Amanda und ihr Stiefvater Martin kämpfen mit einem moralischen Dilemma, das sie entzweit. Ist Amandas Mutter Leslie, die an fortgeschrittener Demenz leidet, noch in der Lage, wichtige Entscheidungen zu treffen? Falls nicht, wer übernimmt die Verantwortung – der Ehepartner, die Tochter oder eine Institution? Vielschichtiges Drama über Demenz mit Juliette Binoche.

Amanda und ihr Stiefvater Martin kämpfen mit einem moralischen Dilemma, das sie entzweit. Kann Amandas Mutter Leslie, die an fortgeschrittener Demenz leidet, wichtige Entscheidungen noch selbst treffen? Wenn nicht, wer trägt dann die Verantwortung – der Ehepartner, die Tochter oder eine Institution? Diese heiklen Fragen stellen sich, als Amanda die Eltern in deren Londoner Wohnung beim Sex überrascht. Amanda ist von der Situation überfordert und ruft in ihrer Not die Polizei … Der Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Lance Hammer wurde an der diesjährigen Berlinale mit dem Preis der Jury sowie für die herausragenden schauspielerischen Leistungen von Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay als altes Liebespaar ausgezeichnet. Grossartig ist auch Juliette Binoche als Amanda, die zwischen Entschlossenheit und wachsenden Zweifeln schwankt. Andreas Köhnemann schreibt in Kino-Zeit: «Glaubhaft erfasst Hammer das frustrierende Gefühl, stets das Falsche zu tun und jeden Entschluss direkt wieder infrage zu stellen. Keiner Partei wird hier klar Recht oder Unrecht gegeben. So entsteht ein Film über Ratlosigkeit und Überforderung, über die schmerzhafte Erkenntnis, dass wir für manche Herausforderungen in unserer Gesellschaft selbst nach langer Zeit noch keinen sicheren Umgang gefunden haben.»

 

Kinderfilme: Im Himmel ist auch Platz für Mäuse
Eine kleine Maus und ein Fuchs begegnen sich nach einem unglücklichen Unfall im Tierhimmel. Eigentlich sollten sie Feinde sein, doch im Himmel verlieren sie ihre natürlichen Instinkte und werden beste Freunde. Der liebevolle Puppentrickfilm erinnert mit seiner grossen Liebe zum Detail an «Fantastic Mr. Fox» von Wes Anderson.

Die kleine Maus Dalli ist ängstlich, möchte aber so mutig sein wie ihr verstorbener Vater, der im Mäusevolk als Held gilt. Also fordert sie den Fuchs Weissbauch heraus, was jedoch für beide tödlich endet. Zu ihrer Überraschung treffen sie sich im Tierhimmel wieder. Nach anfänglichen Vorurteilen entwickelt sich aus ihrer Feindschaft langsam eine Freundschaft. Weissbauch will Dalli helfen, im farbenfrohen Paradies ihren Vater zu finden. Der Animationsfilm behandelt auf poetisch-humorvolle Weise Themen wie das Glück des Lebens, das Rätsel des Todes und die Freundschaft zweier ungleicher Charaktere. Die Regisseur:innen Jan Bubeníček und Denisa Grimmová inszenierten den liebevoll gestalteten Stop-Motion-Film mit mehr als 100 Puppen und wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Der MDR schreibt: «Der berührende Animationsfilm erzählt eine fantasievolle Geschichte über das Überwinden von Vorurteilen, alten Verletzungen und Ängsten durch Liebe, Mut und Toleranz. Dabei rückt er auch schwere Themen wie Vergänglichkeit und traumatische Erlebnisse in den Fokus und zeigt, dass das Ende auch der Anfang von etwas Neuem ist.»

 

In Zusammenarbeit mit Palliative Stadt St.Gallen zum Aktionstag «Last Call – Der Tod lädt ein».