CH 2010, 84 min, E/d
Regie: Curt Truninger

Es beginnt wie in einer romantischen Hollywood-Komödie: Jackie, die Sekretärin, und Michael, der Anwaltsgehilfe, zwei attraktive Singles um die Vierzig, arbeiten in der gleichen Anwaltskanzlei in einer amerikanischen Grossstadt. Weil Jackie in ihren Arbeitskollegen verliebt ist, fasst sie sich eines Tages ein Herz und lädt ihn zu sich nach Hause zu einem Dinner ein. Dieses beginnt verkrampft, denn Jackie ist nervös und Michael überspielt seine Unsicherheit mit grossspurigem Getue und seltsamen Bemerkungen. Als Jackie im Verlauf des Abends ihrem Gast ihre schriftstellerischen Ambitionen offenbart und ihm eine atemberaubende Kurzgeschichte vorliest, taut auch Michael auf und erzählt von einer grossen Enthüllungsstory über Korruption, an der er arbeitet. Von da an nimmt der Abend eine unerwartete Wendung … Der in Kanada lebende Schweizer Regisseur Curt Truninger hat ein berstend intensives filmisches Kammerspiel geschaffen – hinsichtlich Spannung und meisterhafter Beschränkung auf das Wesentliche ist es Roman Polanskis «Carnage» ebenbürtig.
A 2011, 96 min, D
Regie: Markus Schleinzer

Der 35-jährige alleinstehende Versicherungsangestellte Michael hält im Keller seines Hauses den zehnjährigen Wolfgang gefangen. Es ist ein erzwungenes Zusammenleben von erschreckender Normalität mit Geburtstagsfeiern, Einkaufsbummeln und gemeinsamen Ausflügen. Regisseur Markus Schleinzer zeigt dies in seinem Erstling, der in Cannes im Wettbewerb lief, in emotionslosen, kalten Bildern von grosser Eindringlichkeit; er schildert die letzten fünf Monate von Michaels und Wolfgangs Dasein mit dokumentarischer Nüchternheit. Natürlich sind Parallelen zu den realen Fällen Fritzl und Natascha Kampusch nicht zu übersehen, doch es geht Markus Schleinzer nicht um die Vermittlung eines fait divers. Vielmehr geht es dem Regisseur – der sichtbar von Michael Haneke beeinflusst ist, für den er früher als Casting-Verantwortlicher arbeitete – darum, eine kaputte Gesellschaft zu zeigen, die nicht zwingend in Österreich sein muss, sondern überall dort sein kann, wo jeglicher sozialer Zusammenhalt abhanden gekommen ist.
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